Mulchen ist Mist

Unser Dorf schien in diesem Frühsommer irgendwie grüner. Lag das nur am Wetter? Oder auch daran, dass unser fleißiger Gemeindearbeiter krank ist und seinen Dienst schon länger nicht versehen kann. Es wurde jedenfalls weniger gemäht und gemulcht. Zum Dorfjubiläum  wurde aber die alte „Grünordnung“ wiederhergestellt. Und selbst jetzt, in der größten Hitze, wird weiter gemulcht, was Zeug hält.

Das „Biotop“ gegenüber dem Gemeindehaus ist besonders oft dran. Es könnte ein schöner kleiner Park für unser Dorf sein. Doch in Wirklichkeit ist es ein sehr unwirtlicher Lebensraum: Im Tümpel sammeln sich Straßenabwässer, sodass es darin kein Leben mehr gibt. Die kleinen Polster der Buschwindröschen, die die Gammeliner Schulkinder im vorletzten Frühling dort noch bewundern konnten, sind jetzt fast vollständig verschwunden.

Verschiedene Straßenränder um Gammelin, Mühlenbeck und Warsow. © Michaela Christen

Warum das? Letztes Jahr sind sie noch während der Blüte abgemäht worden. Danach wurde mehrfach gemulcht. Die feinen Wurzelsprosse kurz unter der Erdoberfläche, mit denen sich die wilden Anemonen ausbreiten, wurden dadurch zerstört. Und nicht nur sie. Mulchen ist Mist. So kann man es auf den Punkt bringen.

Warum es so schädlich ist? Weil dabei das Schnittgut liegenbleibt und zu verrotten beginnt. Dadurch wird der Boden permanent mit Nährstoffen angereichert, während die Artenvielfalt abnimmt.  Nährstoffarme Böden sind nämlich wesentlich artenreicher und vielfältiger als die nährstoffreichen.

Beim Mulchen wird zudem alles frikassiert, was nicht sofort fliehen kann. Kleintiere, Vogelnester von Bodenbrütern, Blumen in voller Blüte, junge Bäume. Auch der  weggeworfene Plastikmüll wird zerhächselt. Er bleibt dann als Störstoff oder Mikroplastik in der Natur.

Außerdem wird in Gammelin meistens zu früh gemäht. Schon im  Mai vor der Blüte, sodass viele Gräser keine Samen ausbilden können. Über die Jahre verschwinden so die Blühpflanzen. Was bleibt, ist artentechnisch betrachtet, eine „grüne Hölle“.

An Straßenrändern kann man das gut beobachten, wenn nur – wie vorgeschrieben – der schmale Streifen am Fahrbahnrand gemäht wird: Daneben können sich dann Klatschmohn, Kornblumen, Kamille und viele verschiedene Gräser ausbreiten. Ein wunderschöner Anblick.

Feldrand in der Gemeinde Obersdorf in der Märkischen Schweiz © Michaela Christen

Und in Gammelin? Hier werden sogar die Feldwege bis an den Ackerrand gemulcht. Leider werden damit auch noch  die letzten Überlebensräume für Insekten zwischen Wegen und Monokulturen auf dem Acker beseitigt. Warum nur? Damit es ordentlich aussieht?

Bilder sagen wie immer  mehr als tausend Worte: Der Feld- und Straßenrand, den ich kürzlich in Obersdorf in der Märkischen Schweiz fotografiert habe, zeigt, dass es auch anders geht. Das zweite Bild illustriert die „grüne Hölle“ am Kirchweg zwischen Gammelin und Radelübbe, wo kürzlich wieder das Grün bis an den Feldrand gemulcht wurde.

Altenvielfalt Fehlanzeige: Selbst am Kirchweg zwischen Gammelin und Radelübbe wird bis an den Feldrand gemulcht. © Michaela Christen

Zeit zum Umdenken. Mulchen zerstört die Artenvielfalt. Wer etwas für die Artenvielfalt tun möchte, der mäht nicht mehr als vorgeschrieben und nötig. Noch besser sind Blühstreifen wie sie in Warsow und Schossin an den Feldrändern bereits zu sehen sind.

Noch ein Wort in eigener Sache: Wenn Sie regelmäßig Neues über das Dorfgeschehen in Gammelin erfahren möchten, dann aktivieren Sie bitte auf meiner Seite www.dorfgespraechgammelin.blog die Funktion „Folgen“. Sie werden dann jeweils per E-Mail informiert, wenn ein neuer Artikel online geht. Ich bemühe mich, jede Woche etwas Neues zu berichten. Für Hinweise und Anregungen bin ich natürlich dankbar. Sprechen Sie mich oder meinen Mann einfach an!

Ihre Michaela Christen

10 Kommentare zu „Mulchen ist Mist

  1. Uwe Westphal 5. Juli 2019 — 12:42

    Frau Bearbock von den „Grünen“ hat den Gesundheitszustand von Frau Dr. Merkel mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht u. hat sich dafür entschuldigt.
    Unseren Gemeindearbeiter hätte man nicht erwähnen müssen, er ist trotz gesundheitlicher Probleme bewundernswert fleißig, er führt nur das aus, was ihm aufgetragen wird.

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  2. Lieber Herr Westphal, die Kritik nehme ich an. Die Weisungen an den Gemeindearbeiter erteilt die Gemeinde, vertreten durch den Bürgermeister. Hier sollte das Umdenken erfolgen.

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    1. Thomas Karsten 4. August 2019 — 10:19

      Der Gemeindearbeiter sieht die Arbeit selbst er brauch niemanden der ihm sagt wo er was machen muss, das hat mit dem Bürgermeister nichts zu tun. Ich kenne unseren Gemeindearbeiter sehr gut, daher weiß ich wie arrangiert er im Dorf ist. An dieser Antwort sieht man wieder dass sie Urteilen ohne überhaupt darüber bescheid zu wissen. Das ist sehr schade dass sie so dem Dorfleben in Gammelin schaden wollen.

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      1. Lieber Herr Karsten,
        wie kommen Sie darauf, dass ich dem Dorfleben schaden will? Dann würde ich mir sicherlich nicht die Mühe machen, Dinge anzusprechen, die ich kritikwürdig finde. Es geht doch hier gar nicht um unseren Gemeindearbeiter, der z.Z. gar nicht im Dienst ist. Gerade wurden von der Gemeinde mitten im Hochsommer Baumschnittarbeiten (am Weg zum Ausbau) in Auftrag gegeben, obwohl es im Sommer nach Bundesnaturschutzgesetz eine Schonzeit dafür gibt. Ich habe nachgefragt, warum diese Arbeiten jetzt erfolgen müssen. Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht bekommen, außer: „Muss ja irgendwann gemacht werden.“
        Und schauen Sie sich mal die Bäume am Brennerweg an: Wenn so ein fachlich korrekter Baumschnitt aussieht, dann frage ich mich, warum es nur in Gammelin und nicht überall im Alleen-Land MV solche Baumkrüppel gibt.

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  3. Thomas Karsten 4. August 2019 — 10:14

    Frau Christen wenn sie unbedingt Blumen und Bienenwiesen sehen wollen, gucken sie sich auch das ganze Dorf an und urteilen nicht an einer Sache. Zum Beispiel die Streuobstwiese oder der Schulwald sind perfekte Lebensräume für Bienen oder andere Insekten. Es wurden extra Insektenhotels in den Schulwald gebaut. Wenn sie nicht richtig mitbekommen was im Dorf passiert und was auch benötigt wird dann regen sie sich nicht auf.

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    1. Lieber Herr Karsten,
      ich war schon oft im Schulwald und auf der Streuobstwiese. Der Schulwald ist ein guter Anfang. Ich war neulich sogar mit unseren ehemaligen stellvertretenden Bürgermeister, Herrn Fuchs, da. Und er hat mir erzählt, welche tolle Pläne es dort gab – bis hin zum „grünen Klassenzimmer“. Das Projekt hat noch viel Potential. Es ist leider nicht wirklich zu Ende gebracht worden. Ein großer Teil der Fläche ist noch nicht bepflanzt. Dieser Teil war eigentlich für Baumspenden anlässlich von Hochzeiten oder Geburten im Dorf vorgesehen. Leider ist die einzige Baumspende, die dort steht, vertrocknet.
      Wie Streuobstwiesen aussehen, das können Sie überall im Internet nachlesen. Gammelin ist da kein so gutes Beispiel:
      https://mecklenburg-vorpommern.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/streuobst/10962.html
      https://www.streuobstgenussschein-mv.de/was-ist-streuobst/

      Es geht bei Streuobstwiesen nicht nur um die Bäume, sondern auch um die Wiese darunter – und die wird in Gammelin leider gemulcht, was der Artenvielfalt sehr abträglich ist (siehe: Mulchen ist Mist). Auch einen „Erziehungsschnitt“ für die Obstbäume hat es bisher nicht gegeben. Nach Auffassung unseres Bürgermeisters ist das auch nicht nötig. Dem widersprechen allerdings die Fachleute, die wir gefragt haben, u. a. beim Obstbau Stralendorf. Es gibt auch extra Förderprogramme dafür. Warum denn, wenn es nicht nötig ist?
      https://www.streuobstgenussschein-mv.de/erhalt-und-pflege/

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      1. Thomas Karsten 6. August 2019 — 12:51

        Die Streuobstwiese ist ja auch noch nicht alt. Es wird nur gemulcht wenn das Gras zu hoch ist. Auf den von ihnen gestellten Beispielen kann man auch sehen dass diese gemäht werden. Durch den heißen Sommer ist das Gras etwas vertrocknet und sieht deswegen nicht so schön wie auf den Bildern aus. Die Streuobstwiese soll auch zur Entspannung dienen und daher soll das Gras nicht 50 cm hoch werden und soll gepflegt aussehen wie auf den Beispielen.

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  4. Lieber Herr Karsten, ich freue mich, dass wir in eine sachliche Diskussion kommen. Natürlich sollte die Streuobstwiese nach dem Abblühen gemäht werden. Sie sollte eben nur zum Schutz der Artenvielfalt nicht gemulcht werden. Aber ich weiß natürlich auch, dass das Mähen und Aufnehmen des Grünschnitts viel arbeitsintensiver als das Mulchen und Liegenlassen ist. Eine Alternative stellte von jeher das Abhüten durch Schafe dar. Dann müssten die Obstbäume natürlich gegen Verbiss geschützt werden. Was aber auch kein Ding der Unmöglichkeit wäre. Macht halt alles viel Arbeit, wenn man den ökologischen Gedanken ernst meint.

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  5. pumucklgammelin 13. August 2019 — 18:34

    Pumuckel sagt : „Endlich einer, der aufklärt !“

    Blankes „Entsetzen“ auf dem Antlitz einer liebenwerten, jungen Frau-
    dabei begann ihre erlauchte Radtour so entspannt, hoffnungsvoll und beschaulich –
    was für eine Enttäuschung, ja Anarchie mußte ihr nur begegnen ?
    Vielleicht ist es auch nur die Provokation einer zugereisten Zeitgenossin mit
    nicht dorfbezogenem, weltfremdem Blickwinkel ?
    Die Beiträge suggerieren den Verdacht auf eine sich entblätternde Strategie,
    die in aufrührerischer Weise permanent Emotionen, Gedanken und Absichten
    lanciert.
    Aus bisheriger Ruhe soll Aufruhr werden, der störenden Einfluß auf den
    inneren Frieden unserer kleinen Gemeinde in demagogischer Weise erwartet.
    In der Weltgeschichte und auch im Zusammenleben in der kleinsten Kommune
    gab es zu keiner Zei restlos kofliktfreie, dauerhafte Epochen. Neben sachlicher,
    historisch entwickelter Pragmatie tauchten als “Nebenprodukt“ unterschiedlichste
    Egoismen auf.
    Die Gründe hierfür waren u.a.: Intriegen, arglistige Täuschung,
    Selbstdarstellung, persönliche Überschätzung, Fokussierung des eigenen
    Blickwinkels mit der Perspektive auf sofortige oder langfristig erhoffte
    Vorteile und größere Einflußnahme.
    Mit Blick auf unsere Gemeinde ist mit Fug und Recht zu konstatieren,
    daß mit den gewählten bisherigen Bürgermeistern und Gemeindevertretern
    die Mehrheit der Bürger gut auskommen konnte. Der innere Frieden blieb erhalten. Es gab keine
    widersinnigen Reglementierungen. Getroffene Entscheidungen waren
    entweder rechtlich nicht zu umgehen oder der Vernunft gezollt.
    Es gab keine juristisch relevante Denunziation als Folge aufkeimender
    Spaltpilze.
    Nun zu dem von Ihnen geschilderten Stilleben oder auch der Folklore
    in unserem beschaulichen kleinen Dorfe Gammelin, die ihren negativen Schatten
    wie ein Gespenst erschreckend und dämonisch vor Ihr Zweirad warf :

    Punkt 1: Ast- und Baumschnitt
    Viele Landschaftsgärtner und Obstbauern wissen, wie und wann der Astschnitt
    auszuführen ist oder wann dieser auch nicht notwendig ist.
    Abweichend hiervon sind nach jedem Sturmtief nicht nur abgebrochene Baumteile
    sondern auch angebrochene und herabhängende Äste
    aus Sicherheitsgründen zu entfernen. Ebenfalls werden erkannte Gefährdungen vorauschauend beseitigt.
    Werden in diesem Zusammenhang aus ökonomischen Gründen schadhafte
    Baumteile aus der Nähe mit entfernt, hat dies auch ökologische Vorteile. (Fahrzeug-
    und Arbeitsgeräteemissionen, CO 2 ) .
    Wie der Presse zu entnehmen ist, brennen in Sibirien Millionen Hektar Wald, in Brasilien werden
    täglich mehrere Fußballfelder große Urwälder vernichtet.
    Es wäre für Sie sinnvoller hierüber zu recherchieren
    und auch zu berichten als über abgebrochenes und verfaultes Astwerk der Feldmark
    von Gammelin.

    Punkt 2 Rasenmähen
    Für den auswärts arbeitenden „Gammeliner“ beginnt in der Regel nach der Arbeit
    in seiner Firma auf seinem eigenen Hof die sogenannte „zweite Schicht“.
    Hierzu gehören neben zahllosen, notwendigen Handgriffen unter anderem
    das flächendeckende Abmähen der Rasenspitzen, als auch die zeitweise Nutzung einer
    Kettensäge- leider bisher ohne Alternative. Im Falle der Unverträglichkeit wären Ohrstöpsel
    zu empfehlen. In Erwägung käme noch die Flucht in die Weite bis mindestens hinter den
    übernächsten Nachbarn.

    Punkt 3 Rindenmulch
    Rindenmulch taucht seit Jahren an allen Ecken und Kanten auf. Pumuckel hat bisher
    ausschließlich nur Positives hierzu vernommen und weiß deshalb auch keine Antwort zu
    diesem Kram .

    Punkt 4 Igel
    Igel sind autonome, von Urtrieben gesteuerte Stacheltiere.
    Diese laufen frei umher, haben ihr eigenes Revier, lassen sich nicht reglementieren. Sie
    können unvermutet überall auftauchen. Leider hat die Industrie noch keine passenden
    Konfektionsgrößen zur Produktion von Warnwesten parat. Da Igel scheinbar auch keine
    Reflektoren mögen und sich auch nicht laut genug zu erkennen geben, liegt die Beach-
    tung der flexiblen Vorfahrtsregegularien unwiderruflich, eindeutig in unserer Verantwortung.
    Also liebe Miteinwohner: „Augen auf!“. Auch der Igel verdient unseren Schutz. Arbeiten wir
    an dem Unabwendbaren..

    Cui Bono!

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    1. Hallo pumucklgammelin,
      jeder von uns hat seine Sicht auf unser „friedliches Dorf“, aber nicht jeder will etwas sehen. Bitte schreiben Sie mir nicht mehr, Pumuckl bzw. vrauchegger. Aus uns werden keine Freunde mehr. Auch keine Brieffreunde.
      MfG
      Michaela Christen

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