24 Parkplätze für den Dorffriedhof?

Der Ausbau des Friedhofsweges kann nun beginnen. Er soll bis November abgeschlossen werden. Die Gemeindevertretung hat in ihrer konstituierenden Sitzung am 4. Juli 2019 den Bürgermeister ermächtigt, den Auftrag zu vergeben und damit die erst vier Wochen vor der Kommunalwahl beauftragten Planungen umzusetzen.
Der Beschluss zum Ausbau des Friedhofswegs ist schon einige Jahre alt. 2016 wurden dafür erstmals Mittel in den Gemeindehaushalt bereit gestellt. Doch die Förderung ließ auf sich warten. Die Anwohner können jetzt von Glück sagen, dass das Vorhaben erst jetzt realisiert werden kann. Denn inzwischen hat der Landtag nach massiven Bürgerprotesten eine Änderung des Kommunalabgabengesetzes beschlossen: Gemeinden müssen von den Anliegern der Straßen keine Ausbaubeiträge mehr erheben, wenn die Maßnahmen nach den 1.1.2018 begonnen wurden.
Doch was ist eigentlich genau am Friedhofsweg geplant? Die Anwohner wurden darüber bereits vom Amt Hagenow-Land informiert, die übrigen Bürger der Gemeinde noch nicht.

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Der Sandweg wird mit Betonpflaster befestigt. © Michaela Christen

Am Friedhofsweg entsteht eine vier Meter breite Straße mit Gehweg aus Betonpflaster. Der 1,50 Meter breite Gehweg verläuft auf der Friedhofsseite und soll keinen Bordstein erhalten, sondern nur farblich abgesetzt werden.
Die Straßenbeleuchtung auf LED-Basis ist insektenfreundlich, wie das Amt Hagenow-Land betont. Nach Angaben des Amtes werden für die Baumaßnahme keine Bäume gefällt, es ist aber auch keine Straßenbegrünung vorgesehen. Die Regenwasserentwässerung erfolgt über einen neuen Regenwasserkanal, der im Mühlenbecker Weg angeschlossen wird. Das Rondell an der Einmündung zur Schmiedestraße soll erhalten werden. Auf der verkehrsberuhigten Straße wird Tempo 30 gelten.
Die Baummaßnahme sollte ursprünglich 210.000 € kosten. Davon entfällt ca. ein Drittel (74.000 €) als Eigenanteil auf die Gemeinde. DerRest sind Fördermittel aus dem ILER-Programm zur integrativen ländlichen Entwicklung.

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Das Rondell an der Weggabelung zur Schmiedestraße soll erhalten bleiben.  © Michaela Christen

Fest steht schon jetzt: Die Baukosten werden um 58.000 € steigen. Das hat die Auswertung der Ausschreibung durch das Amt Hagenow-Land ergeben. Ob sich damit auch die Förderung erhöht oder ob die steigenden Baukosten allein zu Lasten Gammelins gehen, ist noch nicht klar, hieß es auf der Gemeindevertretersitzung.
Befestigt wird aber nicht nur der Sandweg. Im Zuge der Bauarbeiten sollen am Dorffriedhof auch insgesamt 24 Parkplätze entstehen – 22 davon auf dem Friedhofsgelände. Zwei weitere Parkplätze werden längs der Fahrbahn auf der bewohnten Seite des Weges angeordnet.
Soweit die Details der Planung, die den neuen Gemeindevertretern teilweise erst durch Nachfragen in der laufenden Sitzung bekannt wurden. Das betrifft vor allem die Dimensionierung des Parkplatzes auf dem Friedhofsgelände.

In Gammelin gibt es einen Mangel an Parkplätzen. Das wird besonders bei Schulveranstaltungen offenbar“, begründet Bürgermeister Kebschull die Größe des geplanten Parkplatzes.Bei Beerdigungen wird selbst diese Zahl an Parkplätzen nicht ausreichen“, ist der Bürgermeister überzeugt. Ob Eltern, die zu Schulveranstaltungen kommen, ihr Auto dann wirklich auf dem neuen Parkplatz abstellen, scheint allerdings fraglich.

Und warum sind eigentlich keine Fahrradständer geplant? Die seien nicht förderfähig, sagt das Amt. Und der Bürgermeister findet, dass Fahrradständer für die Friedhofsbesucher doch Sache der Kirche seien, der der Friedhof gehört. Flächenversiegelung für viel zu viele Parkplätze an einem kleinen Dorffriedhof, aber keine Fahrradständer – sind das die richtigen Signale für ein „Dorf mit Zukunft“? 

Nettoparkplatz
Größenvergleich: Dieser Teil des Nettoparkplatzes in Schwerin hat 22 Stellplätze. © Michaela Christen

Ganz ehrlich: Ich fühlte mich in der ersten Sitzung der Gemeindevertretung ziemlich schlecht informiert über das immerhin größte Bauvorhaben der Gemeinde in diesem Jahr. Gerade in der Parkplatzfrage wurden die Gemeindevertreter in der Sitzung überrumpelt. Ich habe mich aus diesem Grund der Stimme enthalten. Und einen Tag später bin ich sogar der Überzeugung, dass ich die Planung in der vorliegenden Form hätte ablehnen müssen.

Die erste Sitzung der neuen Gemeindevertretung war gleichzeitig die konstituierende Sitzung des frisch gewählten Gremiums: Bürgermeister Manfred Kebschull und seine beiden Stellvertreter leisteten als Ehrenbeamte den Amtseid. Klaus Stamer wurde zum ersten Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt. Zum zweiten Stellverteter wählten die Gemeindevertreter Jörg Jakob.
Zum Ritual einer konstituierenden Sitzung gehört natürlich auch der Dank an alle Gemeindevertreter/innen, die im neuen Gremium nicht mehr vertreten sind. So wurden mit Annett Schulz und Harald Fuchs zwei langjährige Gemeindevertreter für ihre Verdienste mit der Ehrennadel des Amtes Hagenow-Land geehrt. Für alle anderen gab es einern Blumenstrauß.
Noch ein Wort in eigener Sache: Wenn Sie regelmäßig Neues über das Dorfgeschehen in Gammelin erfahren möchten, dann aktivieren Sie bitte auf meiner Seite dorfgespraechgammelin.blog die Funktion „Folgen“. Sie werden dann jeweils per E-Mail informiert, wenn ein neuer Artikel online geht. Für Hinweise und Anregungen bin ich natürlich dankbar. Sprechen Sie mich oder meinen Mann einfach an!

Bis bald – Ihre Michaela Christen

1 Kommentar zu „24 Parkplätze für den Dorffriedhof?

  1. Warum sollen Fahrradständer Sache der Kirche sein, Autostellplätze hingegen nicht? 24 Stellplätze für den Friedhof – bezahlt vom Steuerzahler – viel zu viele für einen kleinen Ort wie Gammelin. Und weil die Menschheit träge ist, werden die Schulveranstaltungsbesucher mit an nahezu Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihre Autos weiterhin in der Nachbarschaft der Schule parken. Was die Nachbarn für diese kurze Zeit sicherlich nicht stören wird, sofern ihre Einfahrten nicht zugeparkt sind…
    Gehwege mit Betonpflaster zu gestalten, ist nicht der Weisheit letzter Schluß. Man schaue sich solche an, die erst seit wenigen Jahren bestehen, zum Beispiel in Bakendorf. Einzelne Steine sacken ab, wurden zu Stolperfallen und sehen durch Bewuchs, der nicht beseitigt wird, sehr ungepflegt aus. Geteerte Gewege, eventuell mit einem „echten“ Pflasterstreifen an der Seite versehen, wirken wesentlich ansprechender und sind leichter sauber zu halten, ganz abgesehen vom Begehen und Befahren durch Kinderwagen und Rollstühle oder Rollatoren. Ein kleiner Blühstreifen begrenzt einen Gehweg ganz wunderbar für´s Auge und die Insektenwelt, ohne viel zu kosten. Aber auch Bäume helfen, eine Straße besser in die Natur einzubetten – es gibt pflegeleichte Arten für jeden Standort ohne große Folgekosten. Zudem bieten sie Schatten und werten jede Straße, auch optisch, auf.

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