Muss das sein?

Seit ich in der Gemeindevertretung Gammelin aktiv bin, fragen mich viele: Warum tust du dir das an? Bist du denn nicht ausgelastet? Weniger Wohlwollende möchten dagegen eher wissen: Warum tut sie uns das an? – Vorher war das hier alles schön friedlich und harmonisch und das Dorf hat sich doch so gut entwickelt.

Natürlich habe ich – wie die meisten berufstätigen Menschen – genug zu tun. Ich finde aber gesellschaftliches Engagement wichtig. Gerade in diesen Zeiten. Und mir ist aufgefallen, dass einige Themen in Gammelin einfach zu kurz gekommen sind. Sie wissen schon welche. Ich habe das in meinem Wahlbrief deutlich gemacht. Mehr Transparenz, mehr Grün, besserer Umwelt- und Naturschutz – dafür bin ich von überraschend vielen Menschen gewählt worden.

Natürlich wird es polarisieren, wenn ich Dinge beim Namen nenne, die ich kritikwürdig finde, wenn ich Fragen stelle, die einigen unangnehm sind. Doch nur so werde ich gehört und auch verstanden. Und nur so bekommt man als Gemeindevertreter in Gammelin überhaupt wichtige Informationen, die man für verantwortungsbewusste Entscheidungen benötigt.

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Bei Google kann man den Baumbestand des Püttelkow’schen Hauses noch erkennen. © Google-Maps

An dieser Stelle möchte ich auf den Bürgerbeauftragten Matthias Crone zurückkommen. Er hat nach unserer Petition die ungenehmigten Baumfällungen auf dem so genannten Püttelkow’schen Grundstück am Ortseingang von Gammelin zurückverfolgt.

Sie erinnern sich vielleicht? Das uralte Haus und der verwunschene Garten mit den vielen alten Bäumen Luftbild von 2009 wurden Anfang 2017 wie im Handstreich plattgemacht. Und nachdem die schwere Technik der Sude Hof GmbH ihre Arbeit erledigt hatte, waren sogar die Wurzeln der Bäume aus der Erde verschwunden.

Kein Beweis mehr, dass hier z.B. auch schützenswerte Wallnussbäume standen. Doch Gemeindevertreter, die wir schon während der Rodungsarbeiten vor Ort nach der Rechtmäßigkeit fragten, winkten ab: Das sei Privatgelände und da habe man keine Handhabe. Stimmt aber nicht. Die Landesbaumschutzsatzung gilt überall. Die Gemeinde und das Amt haben eigentlich darüber zu wachen.

Aber auch wir haben den Frevel nicht angezeigt. Wir dachten, dass wenigstens Fällgenehmigungen vorlagen. Das war aber nicht der Fall. Der Bürgerbeauftragte hat herausbekommen, dass die Beseitigung aller Gehölze auf dem Grundstück weder beim Amt Hagenow-Land noch bei der Naturschutzbehörde des Landkreises beantragt wurde. Die Naturschutzbehörde nahm das Grundstück erst Monate später – im Juni 2017 – in Augenschein. Dann erst hat es einen Ortstermin mit dem Eigentümer gegeben.

„Der Eigentümer habe jedoch vehement bestritten, geschützte Gehölze beseitigt zu haben. Aufgrund der vollumfänglichen Beseitigung der Stubben und der Tatsache, dass keine Bestandsaufnahme der zuvor auf dem Grundstück befindlichen Gehölze vorlag, habe weder die Anzahl der vorhandenen Gehölze noch die Art der Gehölze oder die Stammumfänge ermittelt werden können“,

zitiert der Bürgerbeauftragte die Naturschutzbehörde. Ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz kann also nicht mehr nachgewiesen werden. Und weiter heißt es im Brief von Matthias Crone:

„Die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens war und ist somit aussichtslos. Folglich kann leider keine Verpflichtung zur Kompensation erwirkt werden.“

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Und so sah es nach der Räumung aus. © Michaela Christen

Beseitigung aller Beweise unter den Augen des Bürgermeisters – wer da an Zufall glaubt, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Dass es da im Hintergrund konkrete Absprachen gab, kann niemand beweisen und daher auch nicht behaupten. Doch bekanntermaßen ist der Draht zwischen unserem Bürgermeister und dem Chef der Sude Hof GmbH, der gleichzeitig Bürgermeister in Radelübbe ist, sehr kurz.

Doch läuft es besser, wenn die Naturschutzbehörde von Anfang an eingeschaltet ist? Nicht unbedingt. Wie die Kastanie am Brennerweg zeigt. Hier gab es ein Baumgutachten der Naturschutzbehörde. Hier gab es sogar eine Anzeige, nachdem die Kastanie im Februar 2019 widerrechtlich geköpft wurde. Ausführende waren wiederum die „Baumfachleute“ des Sude Hofs mit ihrer Technik. Von der Aktion existieren Fotos und Zeugenaussagen, die inzwischen mehrfach von verschiedenen Stellen abgefragt wurden. Nur passiert ist bisher nichts. Und als Bürger, der sonst schon wegen 6 km/h zu viel auf dem Tacho nach nur wenigen Tagen vom Landkreis wegen dieser Ordnungswidrigkeit zur Kasse gebeten wird, fragt man sich erstaunt: Wie geht das denn? In Gammelin geht offenbar manches, was ich nicht für möglich gehalten hätte.

Und sonst noch:

Wer das Update von letzter Woche nicht mitbekommen hat – die Ankunft des neuen Feuerwehrfahrzeugs soll am 14. September ab 12 Uhr bei der FFW Gammelin/Bakendorf gefeiert werden. Endlich gibt es einen Termin für die nächste Sitzung der Gemeindevertretung. Sie findet am 26. September um 19.30 Uhr statt. Nächste Woche erfahren Sie, was ich vom so genannten „Klimanotstand“ halte.

Bis dann also – Ihre Michaela Christen

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