Zwischen Hysterie und Heuchelei

Als erste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern hat Ludwigslust im Mai 2019 den „Klimanotstand“ in seinen Stadtgrenzen ausgerufen. Es folgte Greifswald im Juni. Und auch in Boizenburg und Schwerin diskutieren derzeit die Stadtparlamente über Anträge zum so genannten „Klimanotstand“. Was ist davon zu halten? Zuallererst ist diese Deklaration ein symbolisches Bekenntnis. Es ist die Feststellung, dass der von Menschen verursachte Klimawandel zur Gefahr für Leib und Leben wird und deshalb entschiedenes Handeln erfordert.

Und da sind wir schon beim springenden Punkt: Wenn man den „Notstand“ ausruft, weil jetzt noch Zeit zum Handeln wäre, dann muss auch gehandelt werden. Dann darf man sich nicht auf Symbolpolitik beschränken, sondern muss gleichzeitig konkrete Maßnahmen beschließen. Sonst verabreicht man nur Beruhigungspillen und erweckt den Eindruck, dass man den Notstand ganz ohne unbequeme Entscheidungen beseitigen kann. Das nenne ich Heuchelei. Und genauso heuchlerisch finde ich es, wenn man sich – wie Ludwigslust – offiziell zur klimafreundlichen Kommune erklärt und noch in derselben Stadtvertretersitzung beschließt, ein Waldstück vom Bund zu kaufen, um es in ein Industriegebiet umzuwandeln.

Die Debatte um den Klimawandel verläuft derzeit zwischen Panikmache, Heuchelei  und Ignoranz. Das verstellt den Blick auf die vielen kleinen Schritte, die man sofort gehen kann, ohne in Hysterie zu verfallen. Das ist auch in Gammelin möglich. Und es ist nötig. Denn die Verantwortung mit den beliebten Entweder-Oder-Fragen hin und her zu schieben, das wird dem Ernst der Lage schon lange nicht mehr gerecht: Muss jeder Einzelne mehr für den Klima- und Artenschutz tun oder die Poltik? Müssen wir Konsumverzicht lernen oder sind grüne Technologien die Lösung? Müssen wir Deutschen uns mehr anstrengen oder die Amerikaner, Chinesen oder Brasilianer? Wenn wir jedes Oder durch ein Und ersetzen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Selbstverständlich können auch so kleine Gemeinden wie Gammelin inmitten einer intensiv genutzten Landwirtschaft grüne Freiräume bieten und neu schaffen. Diese Freiräume sichern Pflanzen und Tieren das Überleben, erhöhen die Lebensqualität der Menschen in unserem Dorf und erbringen wichtige Anpassungsleistungen im Klimawandel. Gammelin ist mit der Schaffung einer Streuobstwiese und eines Schulwaldes bereits erste Schritte in die richtige Richtung gegangen. Die Gemeinde kann aber mehr. Sie muss ihre Anstrengungen angesichts der Dringlichkeit der Probleme weiter erhöhen. Insbesondere bei der naturnahmen Bewirtschaftung des Öffentlichen Grüns gibt es viel Potential. Hier können ohne große Mehrkosten schnell Fortschritte erzielt werden.

Dazu ist ein planvolles Vorgehen notwendig, das eine Bestandaufnahme und kluge Nutzung aller gemeindliche Ressourcen (Flächen, Technik, Personal, Geld, Mitwirkung der Bürger) erfordert. Auch die zahlreichen Förderprogramme (Heckenprogramm, Blühflächenprogramm, Biotopverbund der Metropolregion) können noch besser genutzt werden.

Ich habe mich in unserer Gemeinde umgeschaut und recherchiert, was andere tun. So ist ein konkretes Paket von Maßnahmen entstanden, das ich der Gemeindevertretung zur Diskussion und Beschlussfassung vorlegen möchte. Das Paket ist sicherlich nicht vollständig. Und ich habe radikale Vorschläge – wie das in Schwerin bereits beschlossene Pestizidverbot auf kommunalen Flächen – vermieden. Es geht um einen Anfang, auf den sich alle einigen können.

Die „Sofortmaßnahmen der Gemeinde zur Stärkung der Artenvielfalt in Gammelin & Bakendorf“ habe ich als Antrag für die bevorstehende Sitzung am 26. September 2019 eingebracht. Ich bin gespannt auf die Diskussion. Und natürlich würde mich auch Ihre Meinung dazu interessieren. Gern können Sie dafür die Kommentarspalte nutzen.

Antrag Gemeindevertreterin Michaela Christen

Sofortmaßnahmen der Gemeinde zur Stärkung der Artenvielfalt in Gammelin & Bakendorf

Beschuss:

Die Gemeindevertretung beschließt ein Sofortprogramm zur Stärkung der Artenvielfalt in Gammelin & Bakendorf. Zum Stand der Umsetzung erstattet der Bürgermeister jeweils in der aktuellen Sitzung der Gemeindevertretung Bericht. Dazu wird der Tagesordnungspunkt  „Bauangelegenheiten“ um den Zusatz „und Umweltschutz“ erweitert.

Sofortmaßnahmen:

  1. Der Bürgermeister wird beauftragt, Vorschläge für Blühflächen auf Gemeindegrundstücken vorzulegen und nach Beschlussfassung durch die GV auszuweisen. Es wird mindestens eine insektenfreundliche Blühfläche in Gammelin und Bakendorf ausgewiesen. Die Gemeinde wird sich um entsprechende Fördermittel bemühen und die Blühflächen im Jahr 2020 anlegen.
  2. Der Bürgermeister wird ermächtigt, mit den landwirtschaftlichen Pächtern/Flächeneigentümern über die Anlage von (geförderten) Blühstreifen um die Ortslagen herum und als straßenbegleitende Blühstreifen zu verhandeln. Er trägt den Wunsch der Gemeinde an die Landwirtschaftsbetriebe heran, diese Blühstreifen ab 2020 um die Gemeinde anzulegen.
  3. Die Gemeinde beschränkt sich bei den Mäharbeiten zur Pflege von Grünflächen und beim Beschneiden von Bäumen und Hecken auf das absolut nötige Mindestmaß. Die anfallenden pflanzlichen Abfälle werden der Kompostierung zugeführt.
  4. Die Gemeinde verzichtet ab sofort auf das (rechtswidrige) Verbrennen von Zweigen und Ästen aus Baumschnittarbeiten. Sie ermöglicht den Bürgern, denen keine Eigenkompostierung möglich ist, die Entsorgung ihres Grünschnitts durch das Aufstellen von Containern.
  5. Der Bürgermeister legt der Gemeindevertretung bis Juni 2020 ein Konzept zur Vervollständigung der Straßenbäume und der Feldhecken in Gammelin und Bakendorf vor.
  6. Die Gemeinde veröffentlicht Hinweise zur Pflanzung geeigneter Baumarten (klimaresistent, bienenfreundlich) als Handreichung für Bürger, die auf ihren Privatgrundstücken Bäume pflanzen möchten.
  7. Die Gemeinde bepflanzt die verbliebene Fläche im Schulwald und die Restfläche der Streuobstwiese.
  8. Die Gemeinde Gammelin erarbeitet bis Juni 2020 einen Grünpflegeplan. Darin werden Häufigkeit und Umfang der Pflegearbeiten auf gemeindlichen Grünflächen, an Hecken und Bäumen einschließlich Schulwald und  Streuobstwiese festgelegt. Die Ausführung wird künftig durch den/die Gemeindearbeiter bzw. beauftragte Drittfirmen in einem Arbeitsbuch nachvollziehbar dokumentiert.
  9. Der Besuch regelmäßiger Weiterbildungsmaßnahmen zur naturnahen Bewirtschaftung des Öffentlichen Grüns wird für die Gemeindearbeiter verpflichtend.

Und sonst noch?

Die „Friday for Future“-Kids rufen am 20. September 2019 weltweit zu einem globalen Klimastreik auf, um für die Einhaltung des Paris-Abkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung zu demonstrieren. Die Schüler, Azubis und Studenten wollen aber nicht alleine streiken, sondern laden auch ihre Eltern und Großeltern dazu ein. Hiesiger Treffpunkt ist am 20. September um 11.30 Uhr am Südufer des Pfaffenteichs in Schwerin. Weitere Infos: #AlleFürsKlima

Bis bald –

Ihre Michaela Christen

1 Kommentar zu „Zwischen Hysterie und Heuchelei

  1. Hysterie und Panikmache:
    Die gesamte immer mehr zunehmende Menschheit muss sich um den Klimawandel Sorgen machen!
    Beides wird aber in Deutschland z. Zt. total überzogen und wer diese Klimawandeldiskussion verfolgt muss sich auch veräppelt fühlen.
    Die Politik wird von einem kleinen, bedauernswerten Mädchen (sie hat eine Organisation hinter sich und sie wird gerade ihrer Jugend beraubt), vor sich hergetrieben. Greta könnte sich auch um die 3 aktiven Atomkraftwerke in Schweden kümmern.
    Beispiele der überversorgten „Grünen“ Politiker“
    Herr Özdemir verwechselt in einem Interview Gigabyte mit Gigawatt.
    Frau Baerbock hat in einer TV-Sendung auf zweimaliger Nachfrage beim Thema Batterieantrieb, von Kobold statt Kobalt gesprochen.
    Man Kann sich versprechen, wenn man aber immer wieder das gleiche sagt, fehlt wohl das Fachwissen.
    Herr Habeck besitzt die Frechheit in einem ARD-Interview zu sagen: Wenn Benzin um 3Cent erhöht wird, die Pendlerpauschale aber um 5 Cent, hätten Arbeitnehmer den Anreiz möglichst weite Distanzen zu fahren anstatt die Bahn zu benutzen, dass die Entfernungspauschale unabhängig vom Verkehrsmittel ist, wusste H. Habeck nicht.
    In dieser Zeit sind anscheinend sehr viele ahnungslose Politiker aktiv.
    Die Medien sollten aufzeigen, welcher Politiker lebt die von ihm geforderten Veränderungen vor (welcher Politiker fährt ein E-auto, die „Grünen Politiker liegen lt. Nachrichten z. B. an der Spitze der Vielflieger).
    In einer Nachrichtensendung im TV hielt ein nicht mehr ganz junger Schüler ein Plakat hoch mit dem Schriftzug „Save the Icebeer“ (Rette das Eisbier), er hätte den Unterricht lieber nicht schwänzen sollen.
    Die jugendlichen Demonstranten müssen sich selbst Fragen ob sie nicht direkt u. indirekt die größten Konsumenten in der Bevölkerung sind.
    Die meisten der heutigen Jugend kennen kaum Verzicht, gesponsert durch die Eltern u. Oma u. Opa lässt es sich gut leben.
    Zu Gammelin
    Frau Christen, Gammelin ist schön und Gammelin ist grün, der Wunsch nach Mehr ist immer vorhanden!
    Gerade jetzt ist die Partei der „Grünen“ dabei Forderungen und Verbote durchsetzen zu wollen und einzuführen. In Gammelin sollten wir nicht das gleiche Muster anwenden.
    Die Gemeinde kann doch erst einmal das bestehende konsequent durchsetzen.
    Zuerst sollte darauf geachtet werden, dass wirklich nur in dem vorgeschriebenen Zeitraum Planzenabschnitt und nur Pflanzenabschnitt verbrannt wird.
    Wie sollen ältere Bewohner ohne Fahrzeug und Anhänger ihren Baumabschnitt zum Container bekommen? Wir hatten schon einmal einen „Schrottcontainer“, der wurde dann leider für anderen Abfall (Autoreifen) missbraucht.
    Wir können, mit späterem Mehraufwand, natürlich jeden Graben zum Blühen bringen und natürlich ist es fragwürdig, wenn eine gesunde Kastanie in dieser Form gekappt wird. Wenn eine Gefahr von ihr ausgegangen ist, müssen noch div. Bäume gekappt werden.
    Wir können uns auch um Blühstreifen am Feldrand kümmern.
    Fördergelder sind – Steuergelder die fast alle entrichten. Hier müssen die Kosten und der Nutzen ganz genau benannt werden.
    Laut NDR fördert die EU Landwirte in Niedersachsen mit 900 Millionen pro Jahr. Ein junger Landwirt und Rinderzüchter baut mit einem Nachbarn 45 ha Blühfläche an u. bekommt pro ha 800€ für Arbeitsaufwand u. Ertragsausfall. Wir sollten unseren stellvertretenen Bürgermeister fragen, wieviel Pacht er dem Eigentümer pro ha zahlt und welche weiteren Kosten er für eine Blühfläche pro ha aufwenden muss.
    Ich habe mich mit einem Imkermeister über den Anbau von Blühwiesen unterhalten und folgendes erfahren: Der Landwirt muss den Zyklus der Bienen kennen, weil die Blüte zu einem späten Zeitpunkt eher schädlich für Bienen sind und der Imker seine Bienen umsetzen muss.
    Dieses beachtet leider nicht jeder Landwirt, weil die Fördermittel vermutlich im Vordergrund stehen.
    Ich wundere mich, dass bei der Aufzählung der Umweltsünden und in ihrem Antrag, der Wald „Birkholz“ keine Beachtung findet!
    Viele Städte und Dörfer wären froh einen solchen Wald im Anhang zu haben.
    Die Gemeinde selbst und einzelne Gemeinderatsmitglieder haben den Wald für die Entsorgung von Baumabschnitt sowie Küchen und Gartenabfälle genutzt. Die Forstleitung hat dann notgedrungen mit Traktor u. Anhänger große Mengen Müll aus dem Wald entsorgt.
    Ein Landwirt nutzt den Wald als Abkürzung, mit schwersten Fahrzeugen, zu den Feldern Richtung Hülseburg.
    Seit unserem Zuzug habe ich, als Laie in der Forstwirtschaft, immer wieder die massive Abholzung hinterfragt. Erst war Förster H. Fuchs verantwortlich, dann bis jetzt H. v. Malottki.
    Vom Bürgermeister kam die Antwort: Der eine ist ein Dunkelförster und der andere ein Lichtförster. Herr Fuchs meinte die Chinesen brauchen Holz. Der Forstamtsleiter hat mich anfangs abgewimmelt und jetzt erst das pers. Gespräch gesucht. Die Landesforst schrieb mir zu Zeiten von H. Fuchs eine Abholzung in diesem Stil ist nicht mehr zeitgemäß.
    In den letzten 2 Jahren wurden wieder min. 500 alte Buchen gefällt, die Wege stark beschädigt und der Waldboden stark verdichtet. Ich habe unseren Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus angeschrieben und die SVZ – Herrn Pohle, ob die Abholzung der Wälder nicht grundsätzlich ein Thema wäre. Eine Antwort kam wieder über das Forstamt Radelübbe. Erklärung: Der Wald ist ein Wirtschaftswald und mit der Verniedlichung: Er wird abgeerntet.
    Diese Verniedlichung macht man auch bei Betreibern von Windkraftwerken: Das sind dann „Windmüller“.
    Jetzt hat die Forst wenigsten eine Zufahrt mit einer Metallschranke gesperrt, die Holzabsperrungen waren immer wieder nach einigen Tagen zerstört und somit bleibt wenigstens ein Waldweg begehbar und mit dem Rad befahrbar.
    Jetzt plötzlich reden die Medien, die Politiker einschließlich Dr. Backhaus mit den Forstämtern vom Schutz und Aufforstung der Wälder.
    Irgendwie fühlt man sich total veräppelt!
    Uwe Westphal

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