Leben wie im Dorfroman

Im Sommer bin ich für ein paar Tage abgetaucht. In einem kleinen Dorf, in dem es keine Geschäfte, keinen Arzt und keine Post mehr gibt, sondern nur noch einen Dorfkrug. Es war kein Urlaub. Sondern ein Lesevergnügen. Das Dorf hieß Unterleuten. Es liegt in Brandenburg. Doch vieles läuft dort so wie hier. Obwohl das Dorf nicht real ist, sondern fiktiv. Die Schriftstellerin Juli Zeh beschreibt es in ihrem Dorfroman „Unter Leuten“.

Mich hat dieses Buch sehr gefesselt. Inzwischen habe ich es auch an Bekannte und Freunde verschenkt. Heute möchte ich es Ihnen ans Herz legen. Als Lesetipp. Auch wenn in Gammelin viele Konflikte im Moment unter der Oberfläche schwelen, fand ich in dem Buch viel Typisches wieder.

Unversehens verwandelt sich in Unterleuten eine scheinbare Dorfidylle in die Hölle. Als Brandbeschleuniger wirkt ein Windpark, der am Dorfrand errichtet werden soll. Klingt irgendwie bekannt. Als vor ein paar Jahren kurzzeitig in unserem Dorf über drei Windräder als so genannte „Versuchsanlagen“ diskutiert wurde, ging es ebenfalls hoch her. Und Gammeliner, die schon ein paar Jahrzehnte länger als ich im Dorf wohnen, erinnern sich auch noch an die helle Aufregung um den Transrapid. Bekanntlich sollte es an der Strecke Hamburg –  Berlin einen Haltepunkt in Holthusen geben. Der Magnetzug auf Stelzen sollte querfeldein hinter unserem Dorf entlangfahren. Eines der alten Bauernhäuser im Ausbau hätte dafür platt gemacht werden müssen. Dass es nicht dazu kam, lag in beiden Fällen daran, dass die Initiatoren ihre Pläne begruben. Schnell kehrte wieder Ruhe ein, zumindest oberflächlich. In Nachbargemeinden wie Hoort, wo jetzt außer dem Windpark auch noch eine riesige Junghennenaufzucht entstehen soll, ist das anders. Hier ist der Dorffrieden inzwischen empfindlich gestört.

Interessant an diesem Buch fand ich auch die Herangehensweise der Autorin. Sie entrollt die Geschichte  nicht als allwissende Erzählerin, sondern übernimmt abwechselnd die Sichtweise der unterschiedlichen Akteure, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen und immer nur einen Teil der ganzen Geschichte kennen. Das Machtgefüge und Beziehungsgeflecht in Unterleuten wird einem indes schnell klar. Es gleicht einem Karussell der Gefälligkeiten, die Abhängigkeiten schaffen, aber auch Zusammenhalt.

„Jeder geleistete Gefallen stellte eine Investition in die Zukunft dar. Denn so lautete die Definition von Macht: die Möglichkeit, in Zukunft etwas von einem anderen zu verlangen.“

Verblüffend unzuverlässig ist dagegen der Dorfklatsch, was aber lange Zeit kaum einer merkt:

„Ständig glaubten alle, alles zu wissen, während in Wahrheit niemand im Bilde war. Statt miteinander zu reden, erfanden die Leute Geschichten, die sich weitererzählen ließen.“

In diesem Dorfroman erlebt man mit, wie Menschen manipuliert und aufeinander gehetzt werden und sich mancher aufgrund von Fehleinschätzungen und Selbsttäuschungen vergaloppiert. Ist das im wahren Leben so viel anders? Doch lesen Sie selbst! Ich leihe das Buch auch gern aus.

Und sonst noch?

Gutachten zur Streuobstwiese: Wir besuchen regelmäßig die Streuobstwiese, die 2017 mit EU-Förderung errichtet wurde. Auf Nachfragen zum mangelhaften Pflegezustand gab es bislang keine befriedigenden Antworten. Deshalb habe ich einen zertifizierten Obstgehölzpfleger gebeten, den Streuobstbestand in Gammelin zu begutachten. Das Gutachten liegt jetzt auch den anderen Gemeindevertretern vor, damit wir auf Basis einer objektiven Einschätzung gemeinsam über Maßnahmen zur Pflege dieses ökologisch wertvollen Geländes beraten können.

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Straßenlaterne an der Hauptstaße in Gammelin. Foto: © Michaela Christen

Es werde Licht: Die defekte Straßenbeleuchtung war ja in der letzten Gemeindevertretung ein Thema. Ein Großteil der ausgefallenen Laternen an der Hauptstraße brennen jetzt wieder. Der Ausfall war durch ein – wahrscheinlich bei Bauarbeiten – beschädigtes Kabel bedingt, erfuhr ich von meinem Nachbarn Dirk Müller. Er ist ebenfalls Gemeindevertreter, aber auch Elektroingenieur . Er hatte Messungen an der Anlage vorgenommen und bescheinigt der Gammeliner Straßenbeleuchtung insgesamt einen guten Zustand. Von desolat könne jedenfalls keine Rede sein, so seine Einschätzung. Demnächst sollen acht weitere Lampen ausgetauscht werden und auf energiesparende LED umgestellt werden. Wenn wir inzwischen so viel Energie bei der Beleuchtung sparen, kann die Gemeinde die Lampen künftig vielleicht ein paar Stunden länger brennen lassen. Auch darüber sollten wir im Gemeinderat reden.

Verkehrsinsel bepflanzen: Das „Dorfgespräch“ am vergangenen Sonntag im Gemeindehaus hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, miteinander im Gespräch zu bleiben. Ich habe dort einige Anregungen als Gemeindevertreterin mitgenommen. Zum Beispiel besteht der dringende Wunsch von Anwohnern, die Verkehrsinsel am Abzweig zum Friedhofsweg zu bepflanzen. Ich werde diesen Wunsch natürlich gern in den Gemeinderat tragen.

Bis bald. Ihre Michaela Christen

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