Brauchen wir einen Schulgarten?

Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat 2018 ein erfolgreiches Förderprogramm wiederaufgelegt. Damit erhalten Kitas und Schulen für die Einrichtung, Gestaltung und Pflege von Schulgärten Zuschüsse von maximal 5000 Euro.  Das Geld kann für alles Mögliche ausgegeben werden: für Pflanzen, Saatgut, Gartengeräte oder Bauleistungen zur Herrichtung des Schulgartens.

Der Schulgartenunterricht in MV ist zwar als Unterrichtsfach nach der Wende abgeschafft worden, weil dieses „Spezifikum des DDR-Bildungssystems“ nicht mehr in die neuen Stundentafeln passte. Doch dämmerte es irgendwann auch der Landespolitik, dass Schulgärten einen hohen pädagogischen Nutzen haben können und ein besonders geeigneter Lernort sind. Die Unterrichtsinhalte wurden dann im Rahmenplan für den Sachunterricht der Grundschulen festgelegt.

Ziel des Unterrichts ist es:

  • die Entwicklung und Veränderung von Pflanzen zu beobachten und dokumentieren
  • Wachstums- und Entwicklungsbedingungen von Pflanzen durch Experimente zu bestimmen und zu dokumentieren
  • für die Pflege von Pflanzen Verantwortung übernehmen
  • Verantwortung für Räume der Schulumgebung übernehmen

Auch die Grundschule Gammelin wirbt auf ihrer Internetseite seit Jahren mit ihrem Schulgarten. Leider fristete der in letzter Zeit eher ein Schattendasein. Das Gewächshaus stand leer. Das Beet war abgesäht. Immerhin wurden aber in diesem Jahr einige  Reihen Kartoffeln unter großer Anteilnahme der Lokalpresse gelegt.

Nun soll der Gammeliner Schulgarten offenbar eine neue Blüte erleben. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung am 28. November stehen zwei Eilentscheidungen des Bürgermeisters, in denen es um Material und Bauleistungen für den Schulgarten geht.

Leider war der Gemeindevertretung vorher nichts darüber bekannt, dass dieser Förderantrag überhaupt gestellt und bewilligt wurde. Nun muss das Geld wieder schnell bis zum Jahresende ausgegeben werden, damit es nicht verfällt. Dezemberfieber nennt man das im Verwaltungsjargon.

Am letzten Freitag wurde durch den Bürgermeister noch kurzfristig eine Arbeitsberatung zur Vorbereitung der Gemeinderatssitzung einberufen. Auf der sollen auch ein paar Hintergründe erläutert worden sein. Leider habe ich Informationen darüber aber nur aus zweiter Hand bekommen. Die Einladung erfolgte mit nur zwei Tagen Vorlauf und ich war im Urlaub, was eigentlich bekannt war. Meine Bitte um  Terminverschiebung wurde jedoch abgelehnt, obwohl immerhin drei Tagesordnungspunkte in der Sitzung von mir beantragt wurden – das Gutachten und Pflegemaßnahmen für die  Streuobstwiese, die Bepflanzung des Rondells am Friedhofsweg und eine Verständigung zur künftigen Arbeitsweise der Gemeindevertretung. Wurde all das jetzt ohne mich schon vorab ausdiskutiert? Warten wir die Sitzung am Donnerstag ab.

Zurück zum Schulgarten in Gammelin: Eine Wiederbelebung als echter Lernort wäre natürlich zu begrüßen. Doch dann muss der Schulgarten auch wirklich mit Leben erfüllt werden. Nicht durch den Gemeindearbeiter oder Arbeitseinsätze von Bürgern der Gemeinde. Sondern durch die Schulkinder und Lehrer*innen, weil es ja ums Lernen geht. Ich hätte natürlich gern vor den Eilentscheidungen erfahren, wie die Schule das umsetzen wird.

Auf jeden Fall hoffe ich, dass es besser läuft als beim Schulwald und der Streuobstwiese. Auch hier flossen Fördergelder. Auch hier war der formulierte Anspruch riesig: „Die Streuobstwiese Gammelin – ein idealer Lernort und Klassenzimmer im Grünen“, heißt es auf dem Werbeschild, das auf der Wiese steht.  „Den Kindern der Grundschule und des Dorfes wird mit diesem Projekt der Weg des Obstes vom Wuchs bis zur Verarbeitung nähergebracht. Das Bewusstsein, wo das Essen herkommt, soll gestärkt werden. Die gewonnene Ernte fließt in die Pausenversorgung ein.“ Kinder sind hier allerdings nur ganz selten zu sehen. Möglicherweise sind drei Lernorte zum gleichen Thema auch zwei zuviel.

Und sonst noch?

Bürgermeister-Bezüge ebenfalls auf der Tagesordnung: Bürgermeister in ehrenamtlich verwalteten Gemeinden erhalten genauso wie ihre Stellvertreter eine Entschädigung. Die Höhe ist in der Hauptsatzung geregelt. Bisher sind in Gemeinden mit bis 500 Einwohnern höchstens 420 Euro möglich. Künftig können es bis zu 700 Euro sein. Das  hat das Land festgelegt. Die Gemeindevertretung wird auf ihrer Sitzung am Donnerstag auch darüber beraten, ob diese Entschädigungen und Sitzungsgelder für die Gemeindevertreter erhöht werden.

Chance auf Schnee zum Adventsmarkt: Mit kalter Polarluft kündigt sich der meteorologische Winteranfang am Sonntag an. Selbst im Flachland kann es nasse Flocken geben. Vielleicht erleben wir dann in Gammelin sogar einen weißen Adventsmarkt. Der beginnt am Sonntag, dem 1. Dezember um 15 Uhr rund um das Backhaus an der Kirche in Gammelin.

Ich wünsche Ihnen noch eine gute Woche.

Ihre Michaela Christen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close