Kleine Ungerechtigkeiten

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nach der längeren Funkstille vor und zwischen den Feiertagen begrüße ich Sie wieder beim „Dorfgespräch Gammelin“. 2020 hat begonnen. Ich wünsche Ihnen ein glückliches, gesundes, gerechtes und vor allem friedliches neues Jahr.

Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Jahrzehnt. Es wird mit Sicherheit große Veränderungen bringen, die bestimmt auch an unserem kleinen Dorf nicht spurlos vorübergehen.

Verkehr, Digitalisierung, Klima – wie rasant wir  Menschen die Welt im zurückliegenden Jahrzehnt bereits verändert haben, können Sie hier nachlesen. Man bekommt eine Vorstellung, was uns womöglich erwartet.

Große Herausforderungen schließen bürokratischen Kleinkrieg aber nicht aus. Ich will Ihnen an dieser Stelle von einem solchen Kriegsschauplatz berichten. Weil er ein Schlaglicht auf die kleinen Ungerechtigkeiten in unserer Gemeinde wirft.

Sie erinnern sich bestimmt, dass der Schulgarten auf der letzten Gemeindevertretersitzung ein großes Thema war – 5000 € Fördergeld mussten noch kurzfristig bis zum Jahresende ausgegeben werden. Es gab (nicht nur von mir) ein paar kritische Fragen in der Sitzung. Denn im Schulgarten waren über längere Zeit nur wenige Aktivitäten zu beobachten.

Kann nur von außen besichtigt werden: Der Schulgarten im November 2019. © Michaela Christen

Das sah die scheidende Schuldirektorin in ihrer Stellungnahme ganz anders und warf mir Unkenntnis vor. Zu einem Treffen in Schule war sie jedoch vor Weihnachten auch nicht mehr bereit. Vielleicht, weil sie die Schule ohnehin verlässt. Die Handwerker legten noch im alten Jahr im Schulgarten los, um die beschlossen Maßnahmen umzusetzen. Borde zur Begrenzung der Beete wurden gesetzt. Es sollen außerdem Hochbeete errichtet, Beerenobst gepflanzt und weitere Gartengeräte angeschafft werden.

Schilder warnen: Das Schulgelände darf von Unbefugten nicht betreten werden. © Michaela Christen

Wer sich davon mit eigenen Augen überzeugen möchte, kann sich allerdings schnell eine Rüge vom Amt einhandeln. Denn das Betreten des Schulgeländes ist Unbefugten verboten. Doch wer ist eigentlich befugt und wer nicht? Fest steht: Bloße Neugier befugt einen Dorfbewohner jedenfalls nicht, in friedlicher Absicht einfach durch eine offen stehende Tür auf den Schulhof zu gehen und den Schulgarten in Augenschein zu nehmen. Glauben Sie nicht? Ist aber so. Wir wurden darüber kurz vor Weihnachten vom Amt Hagenow-Land in einem Brief höflich belehrt.

Dieses offizielle Schreiben des Amtes Hagenow-Land folgte unmittelbar auf das Betreten des Schulhofs.

Zuerst musste ich lachen. Denn es schien doch ein Stück Realsatire, dass ein steuerzahlender Bürger offiziell dafür gerügt wird, dass er einen öffentlich finanzierten Schulhof betritt, der sich in Trägerschaft seiner eigenen Gemeinde befindet und also kein Privatgelände ist, sondern gemeindlicher Grund und Boden. Leider war aus dem Schreiben nicht ersichtlich, wer diese Warnung beim Amt in Auftrag gegeben hat. Die Schulleitung, der Bürgermeister? Deshalb konnte mein Mann dem Auftraggeber auch nicht direkt über die Straße antworten. Er hat seine Erklärung also dem Amt geschickt. Sie können Sie hier nachlesen:

Wie Ihnen mitgeteilt wurde, habe ich das Gelände der Schule in meinem Wohnort Gammelin betreten. Das war am 16. oder am 17. Dezember, …, jedenfalls war schon Unterrichtsende. Kein Kind und kein Lehrerpersonal waren auf dem Schulhof anwesend… Die Zaunpforte stand offen und so bin ich auf den Schulhof gelangt. Natürlich hätte ich nach Aufforderung sofort kehrt gemacht. Ich habe nicht fotografiert, weder die Situation noch Menschen.

Ich habe mir lediglich ein aktuelles Gesamtbild vom Schulgelände machen wollen. Da ich seit über vierzig Jahren Bürger der Gemeinde bin, meine Kinder hier in die Schule gingen, ich selbst im Elternaktiv, wie es damals hieß, engagiert war, und als Steuerzahler der BRD auch diese Schule fast 30 Jahre mitfinanziere, habe ich das einfach mal gemacht.

Wenn das ein Vergehen ist, dann will ich es in Zukunft gern unterlassen. In meinem eigenen Interesse sollte es sein, schreiben Sie mir, mein Interesse an Verbotsschildern enden zu lassen.

Aber mein Interesse an meinem Wohnort samt den Menschen darin geht oft weiter, nämlich bis zu den Bäumen, bis zu den Tieren, bis zu Straßen und Plätzen, und manchmal über Schilder hinweg. Das noch zu meiner Entschuldigung.

Günter Müller

Was ich an diesem Kleinkrieg bemerkenswert finde, ist die Tatsache, wie gezielt die Ordnungsmacht in diesem Dorf agiert. Wenn‘s passt, wenn man geräuschvoll Stärke demonstrieren will oder einfach einem Widersacher eins auswischen möchte, werden kleinste Übertretungen an die große Glocke gehängt. Wenn’s nicht passt, stellt man sich taub und blind.

Da können Minderjährige ohne Fahrerlaubnis unter den Augen des Bürgermeisters durchs Dorf fahren, ohne dass eingeschritten wird. Da können auf einem Grundstück am Dorfrand im Handstreich mit schwerer Technik alte Bäume gerodet werden, ohne dass jemand von Amts wegen nach der Fällgenehmigung fragt. Da wird im Brennerweg vor nunmehr fast einem Jahr einfach eine Kastanie geköpft, ohne dass das Konsequenzen hat. Noch nicht einmal Fragen dazu wurden bislang durch das Amt beantwortet.

Gleiches Recht für alle? Leider nicht in Gammelin.

Einen guten Start ins Restjahr wünscht Ihnen

Ihre Michaela Christen

3 Kommentare zu „Kleine Ungerechtigkeiten

  1. Gefahr des Mobbing durch Diktator 5. Januar 2020 — 19:17

    Hallo in die Runde,
    leider kann ich die geschilderte Verfahrensweise in diesem Dorf bestätigen. der Bürgermeister höchstpersönlich ist sich nicht zu schade die Bürger seiner Gemeinde zu denunzieren und Ämter anzurufen, um sie aufzufordern Drohschreiben zu verschicken. Das macht er allerdings nur bei Bürgern, die ihm nicht in den Allerwertesten ….
    Meine Erklärung dafür ist, dass er vielleicht hinterhältig ist ??? und das offene Wort scheut.
    So wie er einfach wichtige Dinge wie die idiotischen Parkplätze auf dem Friedhof zu Hause im Kämmerlein ersinnt, ganz einsam und allein. Sind ja nur unser aller Steuergelder. Für neue Lampen, die die Nacht durchbrennen (LED), reicht dann das Geld natürlich nicht. Der Gemeinderat , böse Zungen sagen er ist hörig, unmündig, stimmt ja allem zu, auch ohne vorherige Diskussion.
    Ja, Demokratie und mündige Bürger sucht man in diesem Ort vergebens.
    Wozu die anderen informieren und öffentliche Diskussion suchen, wie es in anderen Gemeinden korrekter weise üblich ist.
    Wir haben unseren Diktator.
    Schulgärten wurden im Übrigen zu unserer Zeit von Schülern und Lehrern gestaltet, da brauchte man auch keine mit Beton eingefassten Beete, totaler Schwachsinn.
    Wenn die Anwohner den Garten bearbeiten handelt es sich nicht mehr um einen Schulgarten und Fördergelder sind erschlichen.

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  2. Entscheidungen nach „Gutsherrenart“!
    Ich durfte in meiner 45jährigen Firmenzugehörigkeit an mehreren „More Leadership“ Seminaren teilnehmen. Führung in einer Firma od. einer ehrenamtlichen Führungsaufgabe liegen nicht weit auseinander.
    Gefahr des autoritären Führungsstils:
    „Ich Chef, du nix!?“
    Mitarbeitende stellen das selbständige Denken ein und werden passiv und demotiviert. Die Führungskraft verkennt, dass sie weniger Fachwissen als die Mitarbeitenden hat, aber will trotzdem über Ausführung bestimmen.
    Besonders schwierig: Der direktive / autoritäre Führungsstil wird verwechselt mit „Führung nach Gutsherrenart“ bei dem im besten Falle „nur“ die Augenhöhe fehlt und im schlechtesten Falle die Mitarbeiter der Willkür und den Launen ihrer Führungskraft ausgeliefert sind.
    Wiebke Rimasch
    Coach u. Organisationsentwicklerin
    Internet v. 06.01.2020
    ———–
    Führung nach Gutsherrenart funktioniert nicht mehr
    Die Führungskraft soll also mit Führungsstilen das Arbeitsklima mehr oder weniger beziehungsorientiert gestalten, je nach Reifegrad der Mitarbeiter. So werden alte Rollenvorstellungen von Führung zementiert. Hier die Führungskraft mit einem Freibrief für Verhalten, dort die Mitarbeiter, die entweder mit Zuckerbrot oder Peitsche, Beachtung oder Instrumentalisierung gelenkt werden müssen.
    Das funktioniert heute nicht mehr. Wenn Führungskräfte ihre Machtposition ausnutzen, eigenen Frust an Mitarbeitern abreagieren, ihr eigenes Selbstwertgefühl hämisch auf Kosten von Mitarbeitern steigern oder nach Gutsherrenart regieren, handelt es sich nicht um direktive Führung, sondern um mittelalterliche Führung – ein klares Fehlverhalten beziehungsweise eine Charakterschwäche, die wie Mobbing geahndet werden sollte.
    Dr.rer.pol. Wolfgang Schröder
    Diplomkaufmann
    Internet v. 06.01.2020

    Der Bürgermeister in Gammelin führt nach Gutsherrenart!
    Undemokratisch werden andersdenkende Gemeinderatsmitglider möglichst bei Besprechungen ausgeklammert ( siehe Dorfgespräch; „Brauchen wir einen Schulgarten? ). Dieses hat auch das ehemalige Gemeinderatsmitglied H. Barz erleben dürfen u. beanstandet. Frage: Wie denken die anderen Gemeinderatsmitglieder (Einzelkanditaten) darüber?

    Betreten des Schulgeländes ( siehe Dorfgespräch; „Kleine Ungerechtigkeiten“ ). Nachdem der Bürgermeister in der vorletzten Legislaturperiode die Mitbürger, in einer Gem.-sitzung belogen hatte, nach dem Motto “ Niemand hat die Absicht Windkrafträder zu bauen“ hat er eine Woche später eine „Gammeliner Windkraft GmbH“ mit Sitz in der Schule eintragen lassen! Engagierte Mitbürger hatten dann eine Wählergemeinschaft gegründet u. ich hatte den Vorsitz übernommen. Das der Bürgermeister mir öffentlich- wirksam bei meinem Glückwunsch zur Wiederwahl den Handschlag verweigert, hat etwas mit seinem Charakter zu tun u. ging mir mit Verlaub am Gesäß vorbei. Aber ähnlich wie bei Ehepaar Christen/Müller kam vom Amt auch bei mir eine Nachfrage zu einer Einrichtung am Haus, die alle anderen Höfe zur gleichen Zeit u. der gleichen Art eingerichtet hatten. Meine Nachfrage beim Amt und die Anwort war nicht überraschend: Der Bürgermeister hat den Mitarbeiter auf mich angesetzt!
    Als man diesem Bürgermeister vor Jahren die Scheiben eingeworfen hatte, hat er sich selber beweint. Im Dorf waren wir alle über diese Art von Repressalien u. dieser Art der Diskussion empört.
    Es ist und bleibt eine Charakterfrage: Der eine wirft mit Steinen und der andere nimmt andere Mittel in die Hand!
    Allen Mitbürgern/innen
    in Gammelin und Bakendorf
    alles Gute und ein gesundes „Neues Jahr 2020“
    Uwe Westphal

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  3. Auf jeden Fall benötigt derjenige, der „diese Warnung beim Amt in Auftrag gegeben hat“ dringend ein *richtiges* Hobby. Das, oder vielleicht einen Hamster- 😒

    VVN

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