Aus Mangel an Beweisen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nach fast einem Jahr Wartezeit habe ich beim Landkreis eine offizielle Presseanfrage wegen der geköpften Kastanie im Brennerweg gestellt. Weil mir als Bürgerin auf meine Fragen einfach nicht geantwortet wurde. Tatsächlich reagierte die Pressestelle überraschend schnell. Erstmals eine offizielle Stellungnahme. Die Antwort spiegelt weitgehend den mir bekannten Sachstand wider, den ich nur inoffiziell kannte.

Es wurde durch die Gemeinde 2018 ein Fällantrag für die Kastanie gestellt. Dieser wurde abgelehnt. Es gibt zu dem Baum zwei schriftliche gutachterliche Aussagen. Ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger kommt zu der Aussage, dass keine Indizien für eine mangelnde Stand- und Bruchsicherheit vorliegen. Allerdings sind Pflegemaßnahmen dringend erforderlich. Diese Begutachtung erfolgte im Auftrag des Landkreises. Die Gemeinde legte eine gutachterliche Stellungnahme ebenfalls durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen vor, dieser geht von einer Bruchgefährdung aus, die durch Pflegmaßnahmen zu beheben ist. Beide Gutachten sehen also die Möglichkeit, den Baum durch Pflegemaßnahmen zu erhalten. Daher auch die Entscheidung der unteren Naturschutzbehörde den Fällantrag abzulehnen.“

Aus der Antwort der Pressestelle des Landkreises

Bürgermeister setzt sich über eigenes Gutachten hinweg

Zwei Gutachten. Selbst das vom Bürgermeister bestellte sagt, dass die Kastanie durch fachgerechte Pflege ihre Standsicherheit behält und nicht gefällt werden muss. Aber der Baum sollte weg. Denn es ging nicht um die Sicherheit. Es ging um die Verschattung der Dachfläche eines Anwohners. Die Idee, eine akute Gefahrensituation zu erfinden, um die Naturschutzbehörde auszuschalten, lag also nahe. Und ein Partner mit Säge und Technik fand sich schnell vor der Haustür.

Der angebliche Sturmschaden ist durch die Gemeinde nicht dokumentiert worden. Anwohner haben nichts gesehen. Die Kastanie wurde am 11. Februar geköpft. Schnell wurde das Holz abtransportiert, so dass alle Beweise verschwanden, ob die radikale Maßnahme wirklich der „Gefahrenabwehr“ diente. Und wo es keine Beweise gibt, kann die Naturschutzbehörde natürlich keine Ordnungswidrigkeit feststellen. Doch ihren „Freispruch aus Mangel an Beweisen“ behielten Amt und Kreis ein Jahr lang für sich und schickten den Bürger auf Wanderschaft durch den Apparat, auf dass er sich abreagieren und endlich Ruhe geben soll.

 „Am 09.02.2019 kam es bei Sturm zu einem Astausbruch. Die Gemeinde ließ daraufhin die massiven Schnittmaßnahmen ausführen, um die gegenwärtige Gefahr weiterer Astausbrüche zu beseitigen. Die untere Naturschutzbehörde kann letztlich nicht nachweisen, dass nicht weitere Sturmschäden im Baum vorhanden waren, die die Maßnahme als Gefahrenabwehr rechtfertigen…Einen Nachweis im Nachhinein zu erbringen, dass diese Maßnahme nicht in diesem Umfang erforderlich war,  ist unmöglichDaher kann das Vorliegen einer Ordnungswidrigkeit nicht nachgewiesen werden.“

Aus der Antwort der Pressestelle des Landkreises

Schlussfolgerung des Bürgers: Ein Bürgermeister führt die Umweltbehörde an der Nase herum, wobei Landkreis und Amt dieses Verhalten durch ihr langes Schweigen tolerieren und dadurch auch den Kommunalpolitiker im Ehrenamt vor dem unliebsamen Bürgerengagement schützen. Der Bürger steht dadurch wahlweise als Depp, Querulant oder Verschwörungstheoretiker da. Ehrlich: Ich verstehe die oft ohnmächtige Wut von Menschen, die ähnliches erleben müssen.

Bleibt festzuhalten: Die Kastanie ist hin. Gefahr ging nicht von ihr aus:  „Wir möchten in diesem Zusammenhang noch einmal bestätigen, dass es am 09.02.2019 zu keinem für uns sichtbaren Astabwurf kam, der in Folge eine sofortige Gefahrenmaßnahme/ Köpfung des Baumes erforderte. Es entstandenen an dem besagten Tag und in den letzten 25 Jahren keine Beschädigungen an den umliegenden Grundstücken und Häusern…“, so die namentliche Zeugenaussage, die mir schriftlich vorliegt und dem Amt bekannt ist.

Auf bald.

Ihre Michaela Christen

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