Schildbürgerstreiche

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute geht es um die Die Schildbürger“. Sie treten ab 14. Juni 2020 live und in Farbe bei den Schlossfestspielen in Schwerin auf.

Viele kennen die Schildbürger ja nur als Narren. Dabei waren sie einstmals berühmt, weil sie besonders klug waren und ihr Rat überall sehr gefragt war. Kaiser und Könige warben kluge Fachleute massenhaft aus Schilda ab, sodass es dem Ort immer schlechter ging. Die schlauen Schildbürger wussten sich aber zu helfen. Sie stellten sich einfach dumm. Der Schildbürgerstreich war geboren.

Das „Schwarzbuch“ der Schildbürgerstreiche

Heute ist der Schildbürgerstreich ein geflügeltes Wort. Es wird gern verwendet, wenn der Staat unser Steuergeld verschwendet und Dinge baut, die in der Öffentlichkeit Kopfschütteln ernten. Der Bund der Steuerzahler füllt damit jedes Jahr ein so genanntes „Schwarzbuch“.  Die Landeshauptstadt Schwerin, wo ich meine Brötchen verdiene, stand auch schon mehrfach im Schwarzbuch. Mein Wohnort Gammelin hat das noch nicht geschafft. Aber Schildbürgerstreiche gibt es auch hier.

Leerer Parkplatz, Autos am Straßenrad, überfahrene Bankette, problematische Verkehrsführung und viele Schilder.

2019 war Kommunalwahl. Da wurde viel Fördergeld im Land verteilt. Auch Gammelin bekam etwas ab. Nun ist der Friedhofsweg fertig. Geplant und gebaut in Windeseile. Ganz viele Verkehrsschilder wurden aufgestellt, um Verkehrsführung, Tempo und Halteverbote auszuschildern. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die Behindertenparkplätze, die vom Amt extra hervorgehoben wurden, nicht ausgeschildert sind.

Die neue Verkehrsführung verdient das Prädikat Schildbürgerstreich: Bevor die Straße für viel Geld befestigt wurde, konnten große landwirtschaftliche Fahrzeuge, LKW oder Müllfahrzeuge den Friedhofsweg einfach passieren. Jetzt ist die Zufahrt von der Schmiedestraße aufgrund der Einbahnstraßenregelung und des zu engen Radius am Rondell ein echtes Problem. Man sieht das deutlich an den Fahrspuren, die bereits über das Rondell führen.

Ob eine Rückkehr zur alten Verkehrsführung möglich ist und sich das Problem damit noch beheben lässt oder das Rondell verkleinert werden muss, wird sich zeigen. Auch die Böschung zum Friedhof sieht nicht sehr stabil aus. Warten wir den nächsten Starkregen ab, dann wissen wir, ob sie hält.

Dass ich den Großparkplatz am Friedhof für einen Schildbürgerstreich halte, das wissen Sie ja schon. Jetzt ist die Geldverschwendung umso offenkundiger: Der Parkplatz ist leer. Wenn überhaupt, dann stehen Pkw von Anwohnern am Straßenrand. Entweder in den extra gebauten zusätzlichen Parktaschen (sind das die Behindertenparkplätze?) oder dahinter auf dem unbefestigten Seitenstreifen. Genau diese Parkordnung hätte man bis zur Straßenverengung an der Birke umsetzen können. Dann wäre auch beim Begegnungsverkehr im Friedhofsweg etwas mehr Platz gewesen. Jetzt weichen die Autos über die Bankette aus.

Wartehäuschen nur noch halb so groß

Kommen wir zu den neuen Bushaltestellen. Barrierefrei. Das ist jetzt Bauvorschrift. Die neuen Haltestellen sind sauteuer, sehen eher nach Flughafen aus und passen nicht wirklich in die Dörfer. Das ist aber Geschmackssache. Der Schildbürgerstreich besteht darin, dass das neue Wartehäuschen an der Hauptstraße in Gammelin nur noch halb so groß ist wie das alte Vorgängermodell. Wenn man genau nachmisst, stellt man fest, dass es sogar noch schmaler als das neue Exemplar in Bakendorf ist.  Nun könnte man sagen: Es gibt ja auch kaum noch Fahrgäste. Doch wenn es morgens im Schülerverkehr welche gibt, dann müssen die Kinder jetzt im Regen warten. Eine Verbesserung ist das nicht. In der letzten Gemeindevertretung hieß es vom Bürgermeister zur Erklärung, dass „versehentlich“ ein zu kleines Wartehaus geliefert wurde. Es sieht aber eher nach falscher Planung aus: Denn die Grundplatte passt genau zu dem zu kleinen Unterstand.

Das Wartehaus an der neuen Haltestelle ist zu klein geraten.

Die Investitionen der Gemeinde Gammelin im Wahl- und Jubiläumsjahr 2019 sind ein Lehrstück dafür, wie es eigentlich nicht laufen sollte: Die Baumaßnahmen wurden unter großem Zeitdruck, vom Schreibtisch und ohne Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten geplant, um nicht zu sagen fehlgeplant. Die Gemeindevertretung wurde genötigt, in ihrer konstituierenden Sitzung den Bauauftrag für den Friedhofsweg abzunicken, obwohl sie die Pläne nicht kannte und diese auch nicht mehr ändern konnte. Das rächte sich schon in der Bauphase, als sich zeigte, dass die Straßenentwässerung noch einmal umgeplant und auch die Schmiedestraße aufgerissen werden muss. Das Bauvorhaben verteuerte sich dadurch deutlich.

Leider war es in Gammelin bisher auch nicht üblich, solche Planungen den Bürgern öffentlich vorzustellen und sie in so wichtige Entscheidungen einzubeziehen. Dazu kann und soll eine Gemeinde eigentlich die laut Hauptsatzung jährlich vorgeschriebene Einwohnerversammlung nutzen. Doch diese Versammlungen finden in Gammelin schon seit Jahren nicht mehr statt. Das ändert sich hoffentlich in diesem Jahr. Ich hoffe, dass die neue Gemeindevertretung den Mumm aufbringt, den Bürgermeister an seine diesbezügliche Pflicht zu erinnern. Sonst landen wir doch eines Tages im „Schwarzbuch“ der Schildbürgerstreiche.

Und sonst noch?

Kommentarfunktion gestört: Leider war bei meinem letzten Beitrag „Aus Mangel an Beweisen“ die Kommentarfunktion blockiert. Mir ist es leider nicht gelungen, sie wieder einzublenden, da es nur einen englischsprachigen Support gibt. Ich möchte das nur mitteilen, weil es dazu Anfragen von Lesern gab, die gern etwas kommentieren wollten. Ich hoffe, dass das jetzt kein Dauerproblem wird… und Sie künftig wieder mitdiskutieren können.

Hauptausschuss berät Haushalt 2020: Der Entwurf des Haushaltsplans wird am 4. Februar dem Haupt- und Finanzausschuss der Gemeindevertretung vorgestellt. Leider wurden uns vorab nur die nackten Zahlen mitgeteilt. Ich bin daher gespannt auf die Erläuterungen des Amtes, denn Gammelin bekommt zusätzliches Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich. Es geht es um rund 100.000 € (siehe auch: „Das bisschen Haushalt“), die uns künftig mehr zur Verfügung stehen. Damit lässt sich einiges gestalten.

Bis nächste Woche

Ihre Michaela Christen

1 Kommentar zu „Schildbürgerstreiche

  1. Hans-Reiner Puffpaff 1. Februar 2020 — 23:23

    Die Bauqualität des Friedhofweges lässt zu wünschen übrig. Das Betonpflaster sackt an einigen Stellen ab und die Fugen durch den Regen ausgewaschen werden da wahrscheinlich einfacher Sand und kein kantiger Fugensand verwendet wurde.

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