Kleine Ungerechtigkeiten 2

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die versprochene Auswertung der Gemeindevertretersitzung muss noch warten. Denn ich hatte letzte Woche eine Begegnung der besonderen Art, über die ich Ihnen berichten möchte. Ich bekam Post vom Staatsschutz. Es habe eine Strafanzeige gemäß §§ 188, 185 Strafgesetzbuch wegen eines Beitrags in meinem Blog gegeben. Der Staatsschutz ermittelt in dieser Sache. Zunächst googelte ich die besagten Paragraphen: Es geht darin um üble Nachrede, Verunglimpfung und Verleumdung. Darauf rief ich sofort bei der Kriminalpolizei, Abteilung Staatsschutz an.

Es stellte sich heraus, dass ich als Zeugin und nicht als Beschuldigte gehört werden soll. Und es geht bei der Anzeige gegen Unbekannt nicht um einen Artikel von mir, sondern um einen Kommentar in meinem Dorfblog. Trotzdem bin ich alarmiert. Niemand, der sich ehrenamtlich engagiert, gerät gern in den Focus des Staatsschutzes. Und als eifrige „Tatort“-Guckerin weiß ich natürlich – auch im Krimi beginnt alles immer mit einer Zeugenaussage…  Am Aschermittwoch, noch vor der abendlichen Gemeindevertretersitzung, meldete ich mich im Fachkommissariat zur Zeugenaussage. Die Befragung verlief freundlich und sehr professionell.

Das Ungemach begann mit dem unbefugten Betreten des Schulhofs. © Michaela Christen

Doch der Reihe nach. Das Ungemach nahm damit seinen Lauf, dass mein Mann als Bürger der Gemeinde den Schulhof der Grundschule Gammelin ohne ausdrückliche Erlaubnis des Bürgermeisters oder der Schulleiterin durch das offene Tor betreten hatte. Er wollte sich nur ansehen, wo die 5000 € Fördermittel für den Schulgarten verbaut werden. Für das „unbefugte Betreten“ erhielt er eine schriftliche Ermahnung des Amtes. Wir nahmen das zum Anlass, über „Kleine Ungerechtigkeiten“ in unserem Dorf zu schreiben.

Diesen Beitrag kommentierte ein Leser unter der Überschrift „Gefahr des  Mobbing durch Diktator“. Ich mag anonyme Kommentare eigentlich nicht so gern. Ich glaube nämlich daran, dass man in einer Demokratie mit offenem Visier seine Meinung vertreten kann und sollte. Aber es ist in Ordnung, wenn man bei Kritik manchmal lieber nicht seinen Namen nennen will, weil man bei uns im Dorf immer auf Retourkutschen gefasst sein muss.

Wie berechtigt diese Angst ist, zeigt sich jetzt: Von Gammelins Bürgermeister Manfred Kebschull wurde eine Strafanzeige gestellt. Beim Staatsschutz wurde ich gebeten, die Identität des Verfassers zu nennen. Das würde ich niemals tun. Ich gebe meine Quellen grundsätzlich nicht preis. 

Man fragte mich auch nach meinem Verhältnis zum Bürgermeister. Was soll ich sagen? Er ist für mich ein Bürger der Gemeinde, der zum Bürgermeister gewählt wurde. Seinen Führungsstil in der Gemeindevertretung teile ich nicht. Es fehlt ihm an Teamgeist und Empathie. Das ist einer kollegialen Entscheidungsfindung eher abträglich. 

Sagen wir es mal so: Ich würde ihn nicht als „lupenreinen Demokraten“ bezeichnen. Ich kann verstehen, dass andere Bürger dafür drastischere Worte gebrauchen. Und ich betrachte seine Anzeige gegen Unbekannt auch als Einschüchterungsversuch, der sich gegen mich als Herausgeberin des Dorfblogs richtet.

Im Übrigen erinnere ich mich noch ziemlich genau an eine Gemeindevertretersitzung im letzten Jahr. Das war kurz nach Pumuckels Kommentar als am Dorfkrug ein anonymes Flugblatt mit Verunglimpfungen gegen mich und meinen Mann aushing. Der Bürgermeister wurde dazu in der Bürgerfragestunde nach seiner Meinung gefragt. Er sagte dazu sinngemäß, dass die Grünen-Politikerin Renate Künast derartige Beschimpfungen auch aushalten musste – als Meinungsäußerung.

Offenbar gehört es zu den „Kleinen Ungerechtigkeiten“ in unserem Dorf, dass das Aushalten von Meinungsäußerungen nur für andere gilt. Richtet sich die Kritik gegen den Bürgermeister selbst, wird er schnell ungehalten. Ich bin wirklich heilfroh, dass ich nicht in einer Diktatur lebe, sondern in einer Demokratie. Deshalb genießen hierzulande nicht nur Politiker einen besonderen Schutz, sondern auch die Presse- und Meinungsfreiheit.

Und sonst noch?

Ausstellungsauftakt am Samstag: Die Ausstellungseröffnung am Samstagabend im Kunst-Wasser-Werk Schwerin war ein voller Erfolg. Unser Spendenaufruf für die Naturschutzstation des Nabu in Zippendorf brachte mehr als 200 €. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. April zu sehen. Die Schweriner Volkszeitung schreibt in ihrer Montagsausgabe:

Landrat liest auch: Vielleicht liegt es ja daran, dass ich kürzlich über die neue Kampagne des Landkreises „LUP leben“ berichtet habe. Oder daran, dass wir das Interesse für Umwelt- und Naturschutzthemen teilen. Jedenfalls wurde mir aus zuverlässiger Quelle berichtet, dass auch Landrat Stefan Sternberg schon meinen Blog gelesen hat. Manchmal kann es eben auch für einen Berufspolitiker erhellend sein, sich unverstellte Meinungen über das Landleben einzuholen. Danke für Ihre Zeit, Herr Landrat!

Mitbringfrühstück am Frauentag: Der Internationale Frauentag fällt diesmal auf einen Sonntag. Und unser Gemeinderatsmitglied Bettina Büge hatte die tolle Idee, am 8. März um 10 Uhr im Gemeindehaus für uns Frauen ein Mitbringfrühstück zu organisieren. Für Kaffee und Sekt ist gesorgt. Bitte weitersagen.

Trailer zum ZDF-Dreiteiler „Unterleuten“

Dorfroman ab Montag im ZDF: Vor einiger Zeit habe ich im Dorfblog über Juli Zehs Dorfroman Unterleuten geschrieben. Der Bestseller ist jetzt als dreiteilige Miniserie vom ZDF verfilmt worden. Der erste Teil läuft am 9. März um 20.15 Uhr.

Ich verabschiede mich bis nächste Woche – Ihre Michaela Christen

5 Kommentare zu „Kleine Ungerechtigkeiten 2

  1. Liebe Frau Christen!

    Zunächst: toll, dass die Ausstellung Ihres Mannes sofort so positve Resonanz erfahren hat, und dass Sie für eine Aktion am Internationalen Frauentag werben! Beides finde ich großartig! 😊

    Dass Gammelins Bürgermeister nun Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt hat… Nun.

    In besagtem Kommentar, um den sich das Ganze offenbar dreht, äußert der anonyme Verfasser: „der Bürgermeister höchstpersönlich ist sich nicht zu schade die Bürger seiner Gemeinde zu denunzieren und Ämter anzurufen, um sie aufzufordern Drohschreiben zu verschicken.“

    Sehr offensichtlich ist EXAKT DIES nun nachweislich (erneut) geschehen! 😂

    Insofern lassen Sie (und Ihr Mann) sich bitte nicht einschüchtern, Sie sind nicht alleine in Ihrer Gemeinde, und auch ich schicke bestärkende Grüße aus der großen Stadt- 😉

    Einen angenehmen Mittwoch für Sie! VVN

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  2. P.S.: dieses „P.S.“ können Sie gern wieder löschen, mir ist bloß aufgefallen, dass die Links IN Ihrem Beitrag ins Nichts führen (= „Ungerechtigkeiten I“ und „Pumuckls Kommentar“). Hoffentlich nur ein technischer Fehler- 🤔

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    1. Danke für den Hinweis. Jetzt funktionieren die Links.

      Gefällt 1 Person

  3. Tatort Gammelin
    Folge 1: Die Selbstgefälligkeit
    In den Rollen:
    1. Mister X
    2. Ein sensibler, feinfühliger Bürgermeister
    3. Eine ehrliche, aufklärende und mit vielen Stimmen in den Gemeinderat gewählte Mitbürgerin
    Zum Inhalt:
    Ein anzeigefreudiger Bürgermeister wird durch eine Person in Form einer Satire beschrieben u. kritisiert.
    Weil der Bürgermeister ein Feingeist ist und sehr empfindsam schaltet er den Staatsschutz ein, der Titel dieser Folge soll umbenannt werden in „Die schweigenden Lämmer“! Satire beendet.
    Sollen Frau Christen u. Kommentierende mit dieser Anzeige eingeschüchtert werden?
    Hat es mit eigener Schwäche zu tun, wenn immer wieder zu Anzeigen oder Mitteilung an das Ordnungsamt gedroht wird?
    Ist der Bürgermeister so unfehlbar u. legt er jedes von ihm gesagte Wort immer vorher in die Waagschale?
    Oder sind von ihm gesagte oder getane Dinge auch anzeigefähig? Wenn Spielgeräte beschädigt wurden, hat er gerne von den „Gören“ gesprochen. Als der Betreiber des Gasthofs die Räumlichkeiten für die Einschulung nicht zur Verfügung stellte, wurde es in einer Gemeinderatssitzung thematisiert. Ist das Rufschädigung?
    Es gibt Dörfer mit weit größeren Einwohnerzahlen, da klärt der Bürgermeister die unterschiedlichsten Probleme im persönlichen Gespräch!
    Der Bürgermeister und die gewählten Gemeinderatsmitglieder haben sich nicht eigene Wünsche zu erfüllen, sondern sie sollen die Interessen ihrer Wähler wahrnehmen. Wer gibt der Gemeindevertretung das Recht ohne eine Bürgerversammlung oder Abstimmung den Dorfcharakter zu verändern oder z. B. 1,7 Mill, € für eine Turnhalle auszugeben?
    Wenn von ca. 300 Wahlberechtigten 70% zur Wahl gehen, der Bürgermeister mit ca. 57% gewählt wird kann sich jeder ausrechnen wieviel Bürger/innen er vertritt und davon sind bestimmt auch nicht alle mit seinem Tun einverstanden.
    Noch krasser sieht es bei den gewählten Gemeinderatsmitgliedern aus. Jeder Wähler hatte 3 Stimmen zu vergeben, in Gammelin ist ein Kandidat mit 43 Stimmen 2. stellvertretener Bürgermeister geworden, dass wären im schlimmsten Fall mit ihm selbst 15 Wähler.
    Letzte Woche fuhr vor mir ein Kfz mit einem Wackel-Dackel auf der Hutablage der immer abnickte und ich weiß nicht warum ich ausgerechnet in dem Moment an den Gemeinderat dachte.
    Allen Mitbürgern/innen eine schöne Frühlingszeit
    U. Westphal

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