Wonach sich Kinder sehnen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute beschäftige ich mich mit dem Thema Spielplätze. Sie wurden, als sie coronabedingt für einige Wochen gesperrt waren, von Eltern und Kindern schmerzlich vermisst. Öffentliche Spielplätze sind wichtig. Besonders in den Städten. Hier auf dem Dorf gibt es daneben viele kleine Spielplätze auf den privaten Grundstücken – Trampolin, Rutsche, Schaukel, Klettergerät, Sandkiste. Alles dabei. Gärten bieten Kindern zusätzlichen Auslauf. Darum beneiden uns die Städter in Corona-Zeiten.

Ein Spielplatz pro 240 Einwohner

Zusätzlich ist unsere Gemeinde hervorragend mit öffentlichen Spielplätzen ausgestattet. Auf rund 240 Einwohner kommt bei uns ein kommunaler Spielplatz. Den Sportplatz am Mühlenbecker Weg – heute offiziell „Festplatz“ – kann man als Bolzplatz auch noch dazu rechnen. Hier gibt es einen Baskettballkorb und ein Fußballfeld. Man sieht in letzter Zeit auch wieder ein paar Jungs dort kicken. Dann hätten wir sogar einen Platz pro 160 Einwohner. Mal zum Vergleich: In Schwerin gibt es für rund 1000 Bewohner einen kommunalen Spielplatz.

Dabei ist der Spiel- und Sportplatz der Grundschule in meiner Berechnung noch gar nicht berücksichtigt. Denn der Schulhof ist verschlossen, wenn Schule und Hort zu Ende sind. Dafür werden vom Schulträger versicherungstechnische Gründe angeführt – und der Bürgermeister befürchtet Vandalismus.

Der Spielplatz am Brennerweg in Gammelin. © Michaela Christen

Unsere Gemeinde lässt sich die Spielplätze einiges kosten. Im aktuellen Haushalt 2020 sind dafür 20.000 € eingeplant. Auch in den Vorjahren wurde viel investiert. Mit bis zu 50-prozentiger Förderung. Zuletzt wurden sogar Sport-Spielgeräte für Erwachsene aufgestellt, damit für alle Altersgruppen und Generationen etwas geboten wird.

Ob das tatsächlich dem Bedarf entspricht, möchte ich nicht beurteilen. Was mir aber auffällt: Die Spielplätze laden nicht zum längeren Verweilen ein. Sie sind kein wirklicher Treffpunkt. Es fehlen vernüftige Sitzmöbel oder gemütliche Sitzecken. Die vorhandenen Holzbänke sind leider schon seit Jahren in einem erbarmungswürdigen Zustand und werden nur notdürftig instandgehalten.

Trampolin, Tischtennisplatte und Fußballtore

Am Dienstag werden wir in einer Arbeitsberatung der Gemeindevertretung auch über die Spielplatz-Investitionen für 2020 beraten. Der Förderantrag muss noch im Mai gestellt werden. Vorgeschlagen sind ein Trampolin und eine neue Tischtennisplatte für den Platz am Brennerweg und zwei neue Fußballtore für den Bolzplatz am Mühlenbecker Weg. Außerdem sollen Spielgeräte in Gammelin und Bakendorf mit Gummimatten als Fallschutz ausgestattet werden.

Eltern und Kinder können bei den Planungen bisher nicht mitreden, obwohl sie die wahren Spielplatz-Experten sind. Hier kann und muss sich unsere Gemeinde künftig offener zeigen. Denn Eltern möchten sich einbringen: In der letzten Bürgerfragestunde erkundigte sich eine Mutter ausdrücklich nach diesbezüglichen Mitsprachemöglichkeiten – und fand kein Gehör.

Die Gemeinde vergibt sich nichts, wenn sie die Ideen der unmittelbaren Nutzer in die Planungen einbezieht. Und vielleicht kommen wir im Gespräch mit den Eltern sogar zu dem Schluss, dass es nicht immer mehr Spielgeräte auf den Spielplätzen sein müssen, weil es ja auf den Höfen und in den Gärten schon ziemlich viel davon gibt.

Als 2005 von Fachleuten ein Dorferneuerungsplan erarbeitet und von der Gemeinde als künftige Arbeitsgrundlage bestätigt wurde, sollte übrigens in Gammelin und Bakendorf auf herkömmliche Spielplätze ganz verzichtet werden. In dieser umfangreichen Entwicklungskonzeption, die leider nur im Amt Hagenow-Land und nicht im Internet einzusehen ist, hieß es: „In der Planung sind keine Spielplätze im üblichen Sinne ausgewiesen, da man bedenken sollte, dass es nicht der künstlich gestaltete Spielplatz ist, nach dem sich die Kinder sehnen, sondern die betretbare Natur, Orte, die entdeckt werden, Tiere und Pflanzen, die beobachtet werden können. Immer wieder neue Orte und Details, die die Phantasie anregen und Freiheiten im Spiel zulassen.“

Die betretbare Natur mit ihren Abenteuerspielplätzen ist inzwischen fast verschwunden. Auch auf dem Dorf. Wonach sich Kinder heute sehnen? Fragen wir sie doch mal.

Bis nächste Woche – Ihre Michaela Christen

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