Gegenwind zum Jahrestag

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am 26. Mai 2019 wurde unsere Gemeindevertretung neu gewählt. Zum ersten Jahrestag der Wiederwahl bläst unserem Bürgermeister im Gemeinderat erstmals richtig Gegenwind ins Gesicht. Auslöser ist die geplante Eilentscheidung zur Vergabe der Planungsleistungen für die Schmiedestraße, die vier der sechs Gemeinderatsmitglieder – Corona hin oder her – nicht einfach durchwinken wollten. Sie hatten dem Amt vor zwei Wochen signalisiert, dass es bei aller Eilbedürftigkeit noch Redebedarf gibt, bevor der Planungsauftrag vergeben wird.

So kam es am 26. Mai 2020 auf Einladung des Amtes Hagenow-Land zum Treffen in der Amtsverwaltung. Debattiert wurde ohne Mundschutz, dafür mit gebührendem Abstand. Die Moderation der Sitzung hatte Amtsvorsteher Holger Maty übernommen. Er hatte die Unruhe im Gammeliner Gemeinderat mitbekommen. Maty ist selbst ein erfahrener Bürgermeister. Er berichtete auch aus seiner Praxis in Pätow-Steegen, wie man Beschlüsse und Verantwortung auf breite Schultern verteilt und mehr Bürgernähe erreicht.

Ein guter Anfang dafür ist mit der Diskussion um die Schmiedestraße gemacht. Klar wurde dabei, dass blindes Vertrauen der Gemeindevertreter in Eilentscheidungen des Bürgermeisters nicht angebracht ist: Erst auf Nachfrage war uns im Vorfeld der Beratung bekannt geworden, dass die Förderung bewilligt ist und der Planungsauftrag bereits ausgeschrieben wurde. (Siehe: Kein Freibrief für Alleingänge)

Es musste weiter gebohrt werden, damit der Gemeinderat den Fördermittelbescheid zur Einsichtnahme erhielt. Das Amt schickt solche Informationen bisher nur an den Bürgermeister, der sie jedoch nicht weiterleitet. Hier wurde eine Verbesserung des Informationsflusses zwischen den Sitzungen des Gemeinderats dringend eingefordert.

Fahrbahn nur noch 2,80 Meter breit

Aus dem Fördermittelbescheid geht hervor, dass die Schmiedestraße auf 480 Metern Länge ausgebaut werden soll. Vier Straßenlaternen (insektenfreundlich) werden aufgestellt. Das wird schätzungsweise 430.000 € kosten. Die Förderung liegt bei 65 Prozent. 156.000 € sind Eigenmittel der Gemeinde. Das Vorhaben muss bis 13. November 2020 umgesetzt werden. Für den Ausbau der Schmiedestraße soll genau wie im Friedhofsweg Pflaster verwendet werden. Beantragt und vom Fördermittelgeber bewilligt wurde eine vier Meter breite Mischverkehrsfläche aus Fahrbahn (2,80 Meter) und Gehweg (1,20 Meter).

Die Schmiedestraße soll endlich erneuert werden. © Michaela Christen

Am Dienstag wurde uns dann überraschend eröffnet, dass es eine abweichende Planung geben soll. Fahrbahn und Gehweg sollen durch eine Bankette getrennt werden. Die Durchfahrt für Fahrzeuge wäre dann nur noch 2,80 Meter breit.

Vor allem Sicherheitserwägungen sollen dabei eine Rolle spielen. Das leuchtet mir nicht ein: In der Straße herrscht Tempo 30. Auch jetzt wird sie gemeinsam von Fußgängern, Radfahrern und Autos genutzt. Verkehrsexperten empfehlen sogar regelmäßig solche gemischten Nutzungen. Sie zwingen zu gegenseitiger Vorsicht und Rücksichtnahme und sorgen damit für Verkehrsberuhigung.

Widerstand gegen Trennung von Fahrbahn und Gehweg formiert sich

Gegen die Trennung von Fahrbahn und Gehweg formiert sich jetzt Widerstand im Gemeinderat: Landwirtschaftsfahrzeuge, Müllfahrzeuge, LKW kämen hier nur noch schwer durch. (Ob die Pflasterung das lange aushält steht noch auf einem ganz anderen Blatt.) Selbst der normale Begegnungsverkehr zweier Pkw wäre bei 2,80 Metern Fahrbahnbreite problematisch.

Wie geht es nun weiter?

Zunächst muss jetzt das Planungsbüro seine Arbeit erledigen. Die Planungen werden dann dem Gemeinderat vorgestellt, der sie entweder akzeptiert oder noch Änderungen einfordert. Die Anwohner und interessierte Bürger sollen in einer Einwohnerversammlung informiert werden. Sie müssen trotz Corona unbedingt einbezogen werden, wünscht sich die Mehrheit des Gemeinderats. Das alles muss unter Wahrung des Infektionsschutzes und der Abstandsregelungen erfolgen. (Unser Gemeinderaum ist nach Angaben des Amtes selbst für öffentliche Gemeinderatssitzungen zu klein, um die Corona-Auflagen einzuhalten. Deshalb müssen alternative Räume gefunden werden.) Die Gemeindevertretung muss der Vergabe des Bauauftrags zustimmen. Parallel sind auch noch einige Grundstücksfragen zu klären. Die Fertigstellung muss wie gesagt bis November erfolgen.

Pfingsten steht vor der Tür. © Michaela Christen

Und sonst noch?

Pfingsten steht vor der Tür und es wird vom 30. Mai bis 1. Juni trotz Corona wieder Kunst offen“ geben. Meine Tipps für einen Besuch sind: das Flechtertreffen bei Korbmachermeister Ralf Eggert in Woserin mit zehn Korbmachern aus Deutschland und Dänemark, das Kulturforum Pampin mit seinem Skulpturenpark, der Forsthof Mestlin und die „Malerei auf der Insel“ von Sabine Stecker in Stintenburg. Auch die Austellung „Intermezzo“ im Kunst-Wasser-Werk Schwerin-Neumühle mit Werken des Gammeliner Malers Günter Müller kann über die Pfingst-Feiertage jeweils von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.

So viel für heute.

Sonnige Pfingstfeiertage wünscht Ihnen – Ihre Michaela Christen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close