Zwischen leeren Stühlen

Regelmäßigen Lesern dieses Dorfblogs wird es schon aufgefallen sein: Diese Seite ist kein offizielles Mitteilungsorgan des Gemeinderats oder des Bürgermeisters. Ich gebe hier persönliche Eindrücke und Meinungen wieder, aber auch Fakten und Hintergründe, die mir durch die Arbeit im Gemeinderat zugänglich sind.

Unsere Gemeinde hat ihr eigenes Verlautbarungsorgan für Mitteilungen an die Bürger. Das ist die Internetseite des Amtes Hagenow-Land. Leider wird hier wenig Neues mitgeteilt: Im Moment wird gerade die Infoveranstaltung der WEMAG zum Breitbandausbau am 20. August groß beworben. Ansonsten kann man schon seit Jahren lesen: „Die Schule ist der Fels in der Brandung“.

Warum betone ich das extra? Weil ich immer wieder vom Bürgermeister für diesen Blog kritisiert werde. Gern auch vor der gesamten Gemeindevertretung. Sie, lieber Leser und liebe Leserin , sollten also wissen, dass Sie sich hier auf eigene Verantwortung informieren. Ich möchte Ihnen dabei helfen, sich ein Urteil über Entscheidungen der Gemeinde zu bilden. Transparenz. Das war mein Wahlversprechen.

Volksreden und keine Zeit für lange Diskussionen

Kommen wir nun zur letzten Gemeinderatssitzung. Der Saal im Gasthaus „Zum Hahn“ war voller Stühle. Die meisten leer. Acht Besucher habe ich gezählt. Der harte Kern. Die Feuerwehr. Auch der Amtsvorsteher Holger Maty war als Zuschauer gekommen. Eine umfangreiche Tagesordnung wurde abgearbeitet, darunter wieder viele Eilbeschlüsse des Bürgermeisters, die im Nachhinein nur noch bestätigt werden sollten.

Einmal mehr habe ich mich in dieser Sitzung wie ein dummes Kind gefühlt, dem ein rechthaberischer alter Mann dauernd über den Mund fährt, weil es zu viele Fragen stellt. Ich weiß nicht, wie es den anderen Gemeinderatsmitgliedern geht. Wir sind doch alles gestandene Leute, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, und ihre Freizeit opfern, um das Gemeindeleben mitzugestalten.

Und trotzdem lassen wir zu, dass in Gammelin Sitzungstermine auf Zuruf festlegt werden, wenn Bürgermeister und Amt die Zeit für gekommen halten. Kein Sitzungsplan wie in anderen Gemeinden. Keine Vorberatungen von wichtigen Beschlussvorlagen wie dem Brandschutzbedarfsplan im Hauptausschuss. Überflüssige Sitzungen, sagt der Bürgermeister. Alle schlucken das.

Selbst der Termin für eine Ortsbegehung, die sich der neue Gemeinderat schon lange vorgenommen hatte, musste dem Bürgermeister regelrecht abgetrotzt werden. Die Corona-Ausrede zog hier nicht. Danke Klaus Stamer, dass du nicht locker gelassen hast!

Es war schon ein gewohntes Schauspiel: Mehrfach in der Sitzung wurden Diskussionen durch den Bürgermeister einfach abgewürgt. Er selbst hält lange Volksreden. Doch bei abweichenden Meinungen wird dazwischengegrätscht: Keine Zeit für lange Diskussionen. Weiter in der Tagesordnung. Gern sagt der Bürgermeister uns, dass er noch andere „wichtige Termine“ habe, um das Tempo zu beschleunigen. Diesmal hieß es, dass der Kneipenbesitzer gern nach Hause gehen möchte…

Die Tankkarte der Feuerwehr verwahrt der Bürgermeister

Wie grotesk es mitunter zugeht, zeigt der Umgang mit der Feuerwehr. Einerseits soll der Wehrführer in Windeseile förderfähige Investitionen im Gesamtwert von 45.000 € bei der Gemeinde anmelden, weil der Bürgermeister Fördermittel aus dem so genannten „Strategiefonds“ der Landesregierung eingeworben hat.

DSC02593
Der Brandschutzbedarfsplan legt die Schutzziele und die Entwicklung der Feuerwehr in den nächsten fünf Jahren fest. © Michaela Christen

Andererseits müssen die gestandenen Feuerwehrleute jedes Mal beim Bürgermeister klingeln, wenn sie das Feuerwehrfahrzeug betanken wollen. Denn Herr Kebschull persönlich verwaltet die einzige Tankkarte der Feuerwehr. Eine zweite Tankkarte darf aus Kostengründen nicht angeschafft werden.

Doch warum liegt die Karte überhaupt beim Bürgermeister und nicht beim Feuerwehrchef? Traut er den Männern und Frauen, die im Brand- und Katastrophenfall unser Leben und unseren Besitz schützen sollen, so wenig zu? Oder geht es um Machtdemonstration nach dem Motto: Ohne mich läuft hier gar nichts!

Leider wurde auch der Brandschutzbedarfsplan in der gestrigen Sitzung mehr oder weniger durchgewunken. Meine beiden Ergänzungsvorschläge zur jährlichen Berichterstattung der Feuerwehr und zur Erarbeitung eines konkreten Maßnahmenplans für die fünfjährige Laufzeit des Brandschutzbedarfsplans wurden vom Bürgermeister nicht zur Abstimmung gestellt.

So erging es auch der Machbarkeitsstudie zur Turnhalle. Der Bürgermeister sagt: Brauchen wir nicht. Ist rausgeschmissenes Geld. Alles, was in einer Machbarkeitsstudie stehen könnte, ist längst bekannt. Wer mehr wissen will, der soll ins Amt gehen und die Förderanträge studieren. Wieder schluckten das alle. Irgendwie. Obwohl sich der Gemeinderat auf der Arbeitsberatung am 26. Mai noch auf die Machbarkeitsstudie  verständigt hatte. Es ist seltsam. Die anderen Beschlüsse der Arbeitsberatung wurden umgehend umgesetzt.

Immerhin verriet uns das Amt jetzt, wie hoch das jährliche Defizit für den Betrieb der Turnhalle voraussichtlich sein wird. Leider darf ich Ihnen, den Steuerzahlern, die fünfstellige Zahl nicht verraten. Denn auf dem Zettel vom Amt stand extra: Nur für den Dienstgebrauch.

Ein Ratschlag noch zum Schluss: Die Grundstückseigentümer der Schmiedestraße sollten am 10. August unbedingt zur Anliegerversammlung gehen und sich über die bevorstehende Baumaßnahme informieren. Das ist die voraussichtlich letzte Gelegenheit vor Baubeginn, um eventuelle Unstimmigkeiten zu klären.

Bis nächste Woche. Ihre Michaela Christen.

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu „Zwischen leeren Stühlen

  1. Ich lese hier immer sehr interessiert mit und frage mich oft, was wohl die Kommunalverfassung und die zuständige Rechtsaufsicht zu so einem Verhalten sagen. Gar nichts?
    Eine Nachfrage: Wie kann man Fördermittel einwerben ohne die Bedarfe zu kennen? Das möchte ich auch gerne mal machen.

    Liken

    1. Können wir uns gern mal drüber unterhalten. Ich habe es so verstanden, dass z.B. ein dringend benötigter Löschwasserbrunnen zur Förderung angemeldet wurde, der aber im Strategiefonds nicht förderfähig ist. Jetzt zahlt die Gemeinde den Brunnen selbst und muss andere förderfähige Maßnahmen bei der Feuerwehr finden, um die Fördermittel trotzdem abzugreifen. Das soll nicht heißen, dass die Maßnahmen überflüssig sind, aber seltsam finde ich die Herangehensweise auch.

      Liken

  2. Sehr geehrte Frau Christen
    Erstmal möchte ich mich bei Ihnen bedanken für die sachlichen Aussagen zu den Themen, die eigentlich alle Bürger, zumindest aber den Gemeinderat zum Nachdenken anregen sollte. Die Anzeige des Herrn Brummund ist eine Bankrotterklärung für sein Handeln. Leider finden Sie im Rat noch nicht die Unterstützung die sie benötigen um gegen Überheblichkeit,Machtbesessenheit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Bürger an zukommen .Ich wünsche Ihnen Kraft und Ausdauer.MfG Ulrich Reck

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close