Glasfaser für den Dorffriedhof

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute geht es um moderne, zukunftsfähige Infrastruktur. In unserer letzten Gemeindevertretersitzung spielte das Thema Breitbandausbau eher am Rande eine Rolle: Bürgermeister Kebschull teilte den Gemeindevertretern mit, welche Breitbandanschlüsse die Gemeinde Gammelin für ihre öffentlichen Einrichtungen bei der WEMACOM beantragen wird.

Die Schule ist sowieso gesetzt. Außerdem sind das Gemeinde- und Feuerwehrhaus sowie der Friedhof mit der Trauerhalle für einen Glasfaseranschluss vorgesehen. Meine Nachfrage beim Amt Hagenow-Land ergab, dass die Anträge der Gemeinde Gammelin für diese drei Einrichtungen inzwischen gestellt wurden.

In diese Leerrohre werden die Glasfaser-Leitungen gelegt Fotos: © WEMAG Stephan Rudolph-Kramer

Haben ist besser als brauchen. Das sagen sich auch viele private Haushalte, die im Fördergebiet für den Breitbandausbau liegen und sich im Planungszeitraum einen geförderten und damit kostenfreien Hausanschluss sichern können. Aber Glasfaser für den Friedhof? Ich habe also bei der WEMAG-Pressestelle nachgefragt, wie die Gemeinden das im Allgemeinen so handhaben und umgehend eine Antwort erhalten:

„In Gemeinden verhält es sich so, dass grundsätzlich alle öffentlichen Schulen angeschlossen werden. Bei den restlichen öffentlichen Einrichtungen wie Kitas, Feuerwehren, Jugendtreffs, Gemeindehäuser usw. hängt die Möglichkeit eines Glasfaser-Hausanschlusses von der Förderfähigkeit ab. In der Regel empfehlen wir allen Eigentümern von förderfähigen Immobilien, sich auch ans Glasfasernetz anschließen zu lassen, da dies immer eine Investition in die Zukunft und im besten Fall für den Eigentümer sogar vollkommen kostenfrei ist. Diese Möglichkeit nehmen die meisten Gemeinden bzw. Ämter gerne wahr. Der konkrete Fall mit der Trauerhalle in Gammelin wurde durch das Amt Hagenow-Land angestoßen. Hier wurde explizit ein Anschluss gewünscht und da das Gebäude auf einem förderfähigen Grundstück steht, ist dies auch umsetzbar.“

Es stimmt zwar, dass die Anschlüsse ans schnelle Internet durch die Förderung zunächst kostenfrei sind. Man kann den Anschluss auch verlegen und dann „ruhen“ lassen – dann würde der Anschluss einmalig 599 € kosten. Wer den Internetanschluss allerdings nutzen will, der muss einen Vertrag über 24 Monate Laufzeit abschließen. Ein Vertrag bedeutet laufende monatliche Kosten für die Gemeinde. Und da ist der Bürgermeister ansonsten sehr knausrig. Sie erinnern sich: Aus Kostengründen darf unsere Feuerwehr nicht einmal eine eigene Tankkarte besitzen…

Ich habe mich kürzlich auf unserem Dorffriedhof umgeschaut. Es ist ein lauschiger Platz mit einem wunderbaren alten Baumbestand. Ich habe dort ca. 60 Einzel- und Familiengrabstellen gezählt. Freie Kapazität hat der Friedhof noch mehr als genug, obwohl er letztes Jahr sogar verkleinert wurde. 

Bekanntlich hat die Gemeinde dem Dorffriedhof letztes Jahr 24 gepflasterte Parkplätze spendiert. Zu zwei Dritteln finanziert aus Fördermitteln des ILER-Programms zur integrativen ländlichen Entwicklung. Für ordentliche Fahrradständer reichte das Geld bis heute nicht. Auch die Behindertenparkplätze sind immer noch nicht ausgewiesen. Doch das ist eigentlich auch schon egal. Denn die Parkplätze sind ja – wie erwartet – meistens gähnend leer. Und wenn sich dank Glasfaserausbau digitale Trauerfeiern massenhaft durchsetzen, kommt vielleicht bald gar keiner mehr persönlich zur Beerdigung auf den Dorffriedhof…

Die jährliche Zahl der Beerdigungen in Gammelin lässt sich an einer Hand abzählen. Und nur für die weltlichen wird die Trauerhalle der Gemeinde überhaupt genutzt. Ich frage mich ernsthaft, wer hier die Trauerfeier künftig ins Internet streamen wird oder seine Anverwandten und Freunde aus Nah und Fern per Videokonferenz dazu schaltet. Ja, das soll es anderswo in Deutschland wirklich schon geben. Auch weil im Corona-Lockdown die Teilnehmerzahl der Trauernden bei Beerdigungen begrenzt wurde. Ein Glasfaseranschluss ist dafür aber nicht unbedingt erforderlich.

Die digitale Beerdigung wird in Gammelin sicherlich nicht der große Renner werden. Auch die Toten brauchen kein schnelles Internet, mit dem man gleichzeitig telefonieren, surfen/streamen und fernsehen kann. Eine Investition in die Zukunft? Das ist das schnelle Internet für unseren Friedhof bestimmt nicht.

Bis bald – Ihre Michaela Christen

PS: Anbei noch ein lustiger Film, wie der Breitbandausbau in Vorpommern läuft:

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