Abschied von Gammelin

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es hat sich sicherlich schon im Dorf herumgeschwiegen: Mein Mann und ich ziehen aus Gammelin weg. Über die Gründe möchte ich mich hier nicht auslassen. Wir haben einfach neue Lebenspläne, die sich auf dem Dorf nicht umsetzen lassen.  

Der Umzug nach Schwerin, wo ich ja schon seit langem arbeite, wird zur Konsequenz haben, dass ich mein Mandat als Gemeindevertreterin in Gammelin nicht mehr ausüben kann.

Aus gutem Grund bestimmt die Kommunalverfassung, dass die Mandatsträger ihren Lebensmittelpunkt in der Gemeinde haben müssen, in der sie kommunalpolitisch tätig sind. Ich werde also mein Ehrenamt als Gemeindevertreterin niederlegen.

Da ich als Einzelkandidatin angetreten bin, wird leider auch niemand auf meinen Platz nachrücken. Das ist bitter, weil es das Kräfteverhältnis in der Gemeindevertretung beeinflusst, die nun nicht mehr den tatsächlichen Wählerwillen repräsentiert.

Listen von Wählergemeinschaften und Parteien sind da definitiv im Vorteil gegenüber Einzelkandidaten: Für jeden, der aus welchen Gründen auch immer aus der Gemeindevertretung ausscheidet, rückt jemand von der Wählerliste nach. Merke: Wer bei der nächsten Kommunalwahl Bürgermeister werden möchte, der muss seine Hausmacht im Gemeinderat über eine Wählergemeinschaft absichern.

Wenn ich auf die anderthalb Jahre in der Gemeindevertretung Gammelin zurückblicke, dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Gelungen ist es mir zwar, für eine größere Transparenz der Arbeit des Gemeinderats zu sorgen. Dieser Dorfblog hat maßgeblich dazu beigetragen. Deshalb wurde ich als Herausgeberin und Schreiberin sogar mit zwei polizeilichen Anzeigen angefeindet. Erfolglos. Merke: Öffentlichkeit schadet vor allem dem, der etwas zu verbergen hat.

Herbstimpressionen am Wegesrand.

Inzwischen ist im Gemeinderat der deutliche Wille erkennbar, Alleingänge des Bürgermeisters zu unterbinden und die Bürger besser in wichtige Entscheidungsprozesse einzubinden. Die Einschränkungen der Corona-Pandemie erschweren es der Gemeindevertretung allerdings deutlich, hier am Ball zu bleiben. Es ist zu bemerken: Immer, wenn der Druck durch kritische Nachfragen einzelner Gemeindevertreter nachlässt, fallen Amt und Bürgermeister in den alten Trott zurück – und stellen die Weichen einfach ohne Rücksprache und Information hinter dem Rücken der Gemeindevertretung. Das ist schön bequem und erspart lästige Diskussionen. Doch ich denke, dass es inzwischen kein Zurück mehr zu kritikloser Gefolgschaft für den Bürgermeister gibt. Der Gegenwind wird bleiben.

Klar ist auch, dass Bürgerbeteiligung zu einem Zeitpunkt erfolgen muss, an dem Mitsprache noch möglich ist. Sonst ist sie eine reine Alibiveranstaltung und verstärkt die Frustration der Bürger. Der Bau der (Multifunktions-)Sporthalle in Gammelin wird sich dabei als Nagelprobe erweisen. Leider bin ich mir nicht sicher, ob der Zeitpunkt für alternative Entscheidungen nicht schon längst verpasst wurde…Die Planungen für das Monstrum in der Dorfmitte werden zu Jahresbeginn vorliegen, heißt es.

Verblüfft und erschreckt hat mich dabei, mit wie wenig Planung man Fördermittel in Millionenhöhe einwerben kann, wenn man die richtige Förderlyrik beherrscht und zur richtigen Zeit (Wahlkampf) bei den richtigen Leuten (im Wahlkreis) anklopft.

Bei meinem eigentlichen Thema, dem Umwelt- und Naturschutz, habe ich leider nicht viel erreicht. Vielleicht war ich etwas zu forsch und zu ungeduldig, als ich dem Gemeinderat schon kurz nach der Wahl ein Zehn-Punkte-Sofortprogramm für den Artenschutz in unserer Gemeinde vorlegte.

Vielleicht müssen sich Klimakrise und Artensterben, Dürren und Wetterextreme noch weiter zuspitzen bis der Letzte begreift, was die Stunde geschlagen hat. Ich werde mich jetzt anderenorts für mein Herzensthema engagieren. Und wer weiß: Vielleicht nimmt sich der Gemeinderat doch noch irgendwann mein Zehn-Punkte-Programm vor – und diskutiert es endlich!

Blick in unseren Garten.

Abschied von Gammelin – ich habe ein paar Jahre sehr gern hier gewohnt. Den Blick aus dem Fenster in unseren schönen Garten werde ich auf jeden Fall vermissen. Zum Glück hat ihn mein Mann in etlichen Kunstwerken festgehalten.

Auf  Wiedersehen – Ihre Michaela Christen

1 Kommentar zu „Abschied von Gammelin

  1. Alles Gute für Sie und Ihren Mann! Frohe Weihnachtsfeiertage und viel Erfolg für alle Zukunftspläne! 😊

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